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Programme zum Zeichnen von Strukturformeln

Die hier vorgestellten Programme sind kostenlos. Das ist mit dem Nachteil verbunden, dass diese mehr oder weniger mit Bedienungsoptionen ausgestattet sind, die man für das Zeichnen von Formeln und Reaktionsgleichungen gar nicht braucht, weil sie nämlich eigentlich Eingabewerkzeuge für Datenbanken oder Spektrensimulationsprogramme der jeweiligen Hersteller sind. Das Aufpeppen der Eingabewerkzeuge zu brauchbaren Formeleditoren und die kostenlose Bereitstellung ist für die Firmen eine Werbemaßnahme.

Alle Programme beherrschen auch Gleichungen, können die unterschiedlichsten Reaktionspfeile darstellen, aus einer gezeichneten Struktur den Substanznamen ableiten oder eine frei drehbare 3D-Darstellung des Moleküls erzeugen. Ferner können beliebige Template erzeugt werden, die nützlich sind, wenn Sie oft mit gleichen Strukturelementen arbeiten. Natürlich können alle Zeichnungen in die Texte gängiger Textprogramme eingebunden und skaliert werden.

Wichtig: In der Regel sind die kostenfreien Programme nach der Installation noch nicht optimal eingestellt, weshalb Sie intensiv mit den "Einstellungen" oder "Optionen" des Programms vertraut machen sollten. Auch das Arbeiten mit den Programmen braucht Einübung bis es so weit ist, dass die Strukturen nicht nur schöner aussehen, als von Hand gemalt, sondern auch genauso schnell oder sogar schneller erzeugt werden können.

 


 

BIOVIA-Draw <-> Accelrys-Draw <-> Symyx-Draw
Es treten aktuell leider ständig neue Firmen auf den Plan, die diese Software jeweils übernommen haben und dann unter eigenem Namen vertreiben. Der aktuelle Name ist BIOVIA-Draw. Die Basisfunktionen des Programms sind vergleichsweise leicht erlernbar, weshalb es DER TIPP für Windows-Rechner ist. Nomenklaturhilfe ist in beiden Richtungen integriert, das heißt, dass nicht nur zu einer gezeichneten Formel der Name generiert wird, sondern auch umgekehrt zu einem Namen die Formel erzeugt wird. Letzteres funktioniert in der Praxis meist nur bei einfachen Trivialnamen (z.B. "Indigo"), weil jede kleinste Abweichung in einer IUPAC-Bezeichnung den Erfolg vereitelt.
Tipps: An den Kettenenden sowie an Heteroatomen können die Wasserstoffatome automatisch hinzugefügt werden (Options -> Settings -> Atoms: Show hydrogen labels: "Terminal + Hetero"). Das spart Arbeit, wenn man 'fertige' stabile Strukturen zeichnen will. Will man aber z.B. Reaktionszwischenschritte formulieren, bei denen nicht immer alle Bindungen abgesättigt sind, kann diese Automatik alles vereiteln und muss abgeschaltet bleiben! Die Sichtbarkeit von Atomen müssen Sie manchmal mit einem Kniff einstellen. Wenn Sie z. B. eine Nitril-funktion als -C≡N darstellen wollen und nicht als -≡N, so markieren Sie das unsichtbare C-Atom mit dem Lasso-Tool, klicken mit der rechten Maustaste und wählen ,Create Template/Abbreviation'. In das Eingabefeld geben Sie "C" ein und bestätigen mit OK. Man kann auch Linien nachträglich zu Pfeilen umfunktionieren. Mit "Draw spline" erhält man so fast beliebig mäandernde Pfeile, die man zur Darstellung von Reaktionsmechanismen nutzen kann.
Marvin-Sketch
MarvinSketch ist eine Java-Anwendung und deshalb auch auf Macintosh-Rechnern lauffähig. Die Basisfunktionen sind sehr einfach und intuitiv erlernbar. Einfache Moleküle gehen flott von der Hand. Hinter den Menüs verbergen sich unzählige weitere Funktionen, die von 3d-Darstellungen, Berechnung von Molmassen und erwarteten physikalischen Eigenschaften, Benennung der Verbindungen bis hin zur Veränderung der Oberfläche reichen. Dass die 3d-Kalottenarstellung ein bisschen sehr nach 'Murmeln' aussieht, ist für Ausbildungszwecke relativ unerheblich, allerdings reicht die Qualität erzeugter Reaktionsschemata nicht an die von Biovia-Draw heran, was vor allem an den relativ unflexiblen gebogenen Pfeilen liegt, die die Elektronenbewegung deutlich machen sollen.
Tipps: Passen Sie die Schriftgröße für die Atomsymbole zweckdienlich an, z. B. von 12 auf 14 Punkt (Edit -> Preferences -> Display -> Font) Wenn Sie wollen, können Sie sich unter 'Look & Feel' eine für Windows typische Oberfläche einstellen.
ACD/ChemSketch
Bei diesem Programm wird es an den überbordenden Menüoptionen und Schaltflächen am deutlichsten, dass es nicht einfach nur dazu da ist, Formeln zu zeichnen. Während die anderen Programme mit vorgegebenen Bindungslängen arbeiten, werden Moleküle hier "quick and dirty" hingekritzelt und müssen dann vom Programm in ihrer Darstellung optimiert werden.