mnu-bb
Landesverband

Die hier gegebenen Hinweise sind nach bestem Wissen und Gewissen zusammengetragen. Sie sind hoffentlich eine Hilfe, müssen aber dennoch leider ohne Gewähr für Richtigkeit und Vollständigkeit bleiben. Sie entbinden insbesondere nicht von der eigenverantwortlicher Recherche und Entscheidung hinsichtlich zu treffender Maßnahmen im Umgang mit Gefahrstoffen. Hinweise, Rückmeldungen und Fragen sind willkommen.

Technische Regeln Gefahrstoffe (TRGS)

TRGSen werden vom Ausschuss für Gefahrstoffe entworfen und erlangen Rechtskraft durch Genehmigung des Ministeriums für Arbeit und darauf folgende Veröffentlichung im Bundesanzeiger. Sie gelten also nur innerhalb Deutschlands. Lassen Sie sich von der hohen Zahl nicht abschrecken! Schon beim Überfliegen der Überschriften erkennen Sie, dass die meisten die Arbeit an der Schule gar nicht tangieren. Es gibt auch keine "1000" TRGSsen, sondern diese sind wie folgt systematisiert:

TRGS 0xx: Allgemeines
TRGS 1xx: Begriffsbestimmungen
TRGS 2xx: Inverkehrbringen
TRGS 3xx: Arbeitsmedizinische Vorsorge
TRGS 4xx: Gefährdungsbeurteilung
TRGS 5xx: Schutzmaßnahmen
TRGS 6xx: Ersatzstoffe und Ersatzverfahren
TRGS 7xx und 8xx: Brand- und Explosionsschutz
TRGS 9xx: Grenzwerte, Einstufungen und Begründungen und weitere Beschlüsse des AGS

Mit Ausnahme der 9xx-Reihe geben alle TRGSen einen Stand der Technik zum jeweiligen Umgang mit Gefahrstoffen wieder. Wer sich an die TRGSen hält, erfüllt die gesetzlichen Auflagen hinsichtlich des Problemfeldes der jeweiligen TRGS. Von diesen Vorgaben darf aber auch abgewichen werden. Einzige Bedingung ist, dass mit den Abweichungen ein mindestens gleichwertiges Schutzziel erreicht wird. Natürlich ist es einfacher, sich an die Vorgaben der TRGSen zu halten, weil man andernfalls ev. Ärger bekommt und sich rechtfertigen muss. Nachfolgend sind - ohne Anspruch auf Vollständigkeit einige für die Schule relevante TRGSen aufgeführt:

TRGS 201 Einstufung und Kennzeichnung bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen
Nach der TRGS 201 ist die Kennzeichnung von Chemikalien bei der Verwendung von der Gefährdungsbeurteilung abhängig zu machen. Das bedeutet, dass es Fälle gibt, bei denen auf eine korrekte Kennzeichnung gemäß GHS teilweise oder auch gänzlich verzichtet werden kann. Es sind folgende Fälle zu unterscheiden:
  • Für Vorratsgefäße
    können die Kennzeichnungserleichterungen der TRGS 201 nicht in Anspruch genommen werden, weil die RiSU hier strengere Auflagen macht. Die Kennzeichnungserleichterungen der RiSU sind in einer Fußnote versteckt.
  • Bei einem Versuch
    wird vernünftigerweise nichts gekennzeichnet. Dies wäre nicht praktikabel und hätte auch keinen Schutzzweck, denn der Experimentator ist ja anwesend und kann Auskunft geben über das, was er da gerade zusammengeschüttet hat. Unter der Bedingung, dass es Versuchsunterlagen gibt, aus denen die Gefährdungen des Versuchs jederzeit ersichtlich sind, lässt die TRGS 201 dies ausdrücklich zu. Der Versuchsprozess wird dort als "Arbeitsgang" definiert.
  • Stehengelassene Mischungen
    sind so zu kennzeichnen, dass sie identifizierbar sind. Gefährdungen sind in dem Maß zu vermerken, wie sie plausibel gegeben sind. Liegt z.B. eine Mischung in einem organischen Lösemittel vor, so werden mindestens die durch das Lösemittel bedingten Gefährdungen weiterhin gelten. Die Kennzeichnung mit Piktogrammen kann zur Beschreibung der Gefährdungen ausreichend sein. Mischungen, die zum Ausreagieren stehengelassen werden, oder Lösungen, die zum Auskristallisieren stehengelassen werden, befinden sich nach den Begriffsbestimmungen der TRGS 201 "im Produktionsgang". Für Chemikalienabfälle gilt entsprechendes. Zur Kennzeichnung von (Reaktions-)Mischungen empfehlen wir die Verwendung eines vorbereiteten Etiketts.
TRGS 400 "Gefährdungsbeurteilung"
Nach dieser TRGS dürfen Sie bei der Gefährdungsbeurteilung auf etablierte Handlungsempfehlungen zurückgreifen. Für den Bereich Schule ist das natürlich die RiSU. Trotzdem lohnt auch die Lektüre der TRGS 400, unter anderem wegen der umfänglicheren Beispiele für chemisches Arbeiten, bei dem nur eine geringe Gefährdung zu unterstellen ist und der recht übersichtlichen Darstellung, wie bei der Gefährdungsbeurteilung
TRGS 526 "Laboratorien"
So wichtig der Text dieser TRGS für die Laborarbeit auch ist: Sie brauchen diese nicht weiter zu beachten, denn der gesamte Inhalt befindet sich auch in den um viele nützliche Hinweise angereicherten "Laborrichtlinien". Auch wenn die RiSU weder die TRGS 526 noch die "Laborrichtlinien" in Bezug nimmt, so markieren beide Schriften den Stand der Technik für labortypisches Arbeiten, so dass man um die Beachtung der dort getroffenen Regelungen nicht herumkommt, so weit nicht durch andere Regelungen, also z.B. die RiSU strengere Regeln für die Schule getroffen werden.
TRGS 555 "Betriebsanweisung und Information der Beschäftigten"
Eine Betriebsanweisung muss nach dieser TRGS folgende Elemente enthalten:
  1. Arbeitsbereiche, Arbeitsplatz, Tätigkeit
  2. Gefahrstoffe, Bezeichnung
  3. Gefahren für mensch und Umwelt
  4. Verhalten im Gefahrenfall
  5. Erste Hilfe
  6. Sachgerechte Entsorgung
Ausdrücklich können Anweisungen auch gesplittet werden. So können Standardmaßnahmen (z.B. Erste Hilfe) in eine Allgemeine Betriebsanweisung ausgegliedert werden. Sie müssen also nicht bei jedem neuen Gefahrstoff noch ein Mal betonen, dass man mit "112" die Feuerwehr erreicht und wo der Sammelplatz Ihrer Schule ist. Sie können Geräteanweisungen mit einschließen ("Bei durchgebranntem Bunsenbrenner Gasversorgung sofort schließen") - ja sogar alles zusammen in das Versuchsskript integrieren, welches Sie Ihren Schülerinnen und Schülern zum Experimentieren in die Hand geben. Ein Kernsatz der TRGS lautet: "Die äußere Form der Betriebsanweisung ist nicht festgelegt". Statt "Betriebsanweisung nach Gefahrstoffverordnung" darf die Überschrift deshalb z.B. gern auch "Liebe Schülerinnen und Schüler" lauten. Insbesondere können und sollten Sie alle Ihre didaktische Kompetenz in die Formulierung der Betriebsanweisung stecken, damit die Schülerinnen und Schüler verstehen, warum sie bestimmte Dinge zu beachten haben. Mit angepassten Templaten werden Sie dieses Ziel kaum erreichen. Auch die RiSU bietet solche Template an, lässt aber eine freie Gestaltung immerhin zu (Siehe I - 3.16.1)
TRGS 900 "Arbeitsplatzgrenzwerte"
In dieser TRGS sind die Arbeitsplatzgrenzwerte festgelegt, deren Einhaltung nach der Gefahrstoffverordnung zu überwachen ist. Wenn Sie sich an der Schule an die RiSU und an die "Laborrichtlinien" halten, werden Sie nicht messen müssen, weil danach bei schultypischem Experimentieren nicht mit dem Auftreten gefährlicher Atemluftkonzentrationen zu rechnen ist.
TRGS 903 "Biologische Grenzwerte"
Bei derzeit noch recht wenigen Gefahrstoffen kann man Grenzkonzentrationen für Körperflüssigkeit (Blut, Urin) festlegen, bei deren Einhaltung man davon ausgehen kann, dass keine Schädigungen eintreten. Beispiel: Bedingt durch Umwelteinflüsse lässt sich z.B. im Blut oder im Urin jedes Menschen Quecksilber nachweisen. Das ist normalerweise folgenlos. Wenn Sie aber z.B. befürchten, eine Quecksilbervergiftung erlitten zu haben, können Sie durch Bestimmung Ihres Quecksilberspiegels im Urin eine Aussage darüber erhalten, ob die gemessene Konzentration noch unterhalb des "Biologische Grenzwerts" liegt oder ob dieser schon überschritten ist.
TRGS 910 "Risikobezogenes Maßnahmenkonzept für Tätigkeiten mit krebserzeugenden Gefahrstoffen"
In dieser TRGS wird zum ersten Mal versucht, das krebserzeugende Potential von Stoffen zu quantifizieren. Im Fokus steht die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung in Abhängigkeit von der Exposition. In einer Art "Ampelmodell" werden individuell für jeden Stoff Akzeptanzkonzentrationen festgelegt, bei deren Einhaltung das Erkrankungsrisiko gering ist, sowie Toleranzkonzentrationen, bei deren Einhaltung ein mittleres Risiko vorliegt. Die Nichteinhaltung der Toleranzkonzentration bedeutet ein hohes Risiko. Abgestuft sind bei mittlerem und hohem Risiko entsprechende Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Geregelt ist (leider) nur die inhalative Exposition - und das auch bislang noch für nur recht wenige Stoffe. Für die Schule ist die gefahrstoffrechtliche Relevanz eher gering, aber es ist ja vielleicht interessant, den Schülern zu vermitteln, dass man beginnt, das kmr-Potential zu quantifizieren.