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Landesverband

Quecksilber

Gefahrenpotential

Quecksilber ist wie folgt zu kennzeichnen:

H360D: Kann das Kind im Mutterleib schädigen.
Das Krankheitsbild heißt Minamatakrankheit".
H330: Lebensgefahr bei Einatmen.
Diese Warnung scheint die schlimmste zu sein, denn sie signalisiert, dass man sofort tot ist, wenn man Quecksilber einatmet. Und dennoch kann man Quecksilber in eine Schale ausgießen, erstaunt von dem hohen Gewicht Kenntnis nehmen, sich entweder darüber wundern, dass Metalle bei Raumtemperatur auch flüssig sein können oder wissend lächeln, dass Quecksilber und Brom die beiden einzigen Elemente des Periodensystems sind, die unter Normalbedingungen flüssig sind. Man kann all das in aller Ruhe tun, ohne irgendeinen gesundheitlichen Schaden zu erleiden. Wie kann das sein??
Die inhalatve Giftwirkung einer Substanz wird bestimmt, indem man Versuchstiere für eine bestimmte Dauer einer bestimmten Atemluftkonzentration der Substanz aussetzt. Wenn Quecksilber sehr giftig ist, reicht also schon eine sehr kleine Konzentration aus, um tierisches oder menschliches Leben zu töten. Der Haken: Diese Art der Bestimmung berücksichtigt nicht, ob die Substanz den nötigen Dampfdruck hat, um eine entsprechende Konzentration überhaupt freizusetzen. Quecksilber hat bei 30 °C einen Dampfdruck von gerade mal 0,00373 hPa. Der Dampf ist überdies 8 mal schwerer als Luft und sinkt deshalb nach unten ab. Wer sich also eine Quecksilberpfütze anguckt, hat nichts zu befürchten, erst recht nicht, wenn er sich die Pfütze von oben anguckt. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass auf der ganzen Welt bisher erst etwa 10 durch Quecksilber bedingte Todesfälle aufgetreten sind, wobei die Opfer einer nicht haushaltstypischen Exposition ausgesetzt waren. (Arbeiten in Quecksilbertanks, erhitztes Quecksilber)
H372: Schädigt die Organe bei längerer oder wiederholter Exposition.
Quecksilber ist ein Nervengift mit einer langen biologischen Halbwertzeit. Einmal im Körper aufgenommen wird es nur sehr langsam wieder ausgeschieden. Die Dauerbelastung ist also die wirkliche Gefärdung durch Quecksilber. Verschüttetes Quecksilber muss also vollständig entfernt werden! Die wichtigste Sicherheitsmaßnahme beim Hantieren mit Quecksilber im Labor ist also die Doppelwandigkeit: Steht die Flasche auf dem Labortisch und wird damit hantiert, gehört eine ausreichend große Auffangwanne darunter. Auch bei der Aufbewahrung sollte die Flasche in einem bruchsicheren Übergefäß (Plastikgefäß) stehen.
H410: Sehr giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung.
Dass eine Schwermetallbelastung der Umwelt zu vermeiden ist, muss nicht diskutiert werden. Das Problem: Quecksilber kann nicht biologisch abgebaut werden. Es bleibt Quecksilber. Immer!

Detailliertere Informationen zum Gefährungspotential können Sie im GESTIS-Datenblatt recherchieren.

Grenzwerte

Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) (maximale Atemluftkonzentration am Arbeitsplatz)
Der Grenzwert beträgt 0,02 mg/m3. Der Wert ist als arbeitstäglicher Mittelwert zu verstehen. Kurzzeitige Überschreitungen sind also zulässig, wobei in diesem Fall der 8-fache Wert, also 0,16 mg/m3 zu keinem Zeitpunkt überschritten werden dürfen. AGWs sind in der TRGS900 definiert.
Richtwerte des Umweltbundesamts (maximale Atemluftkonzentration in Wohnräumen)
Der Richtwert I beträgt 0,035 µg/m3, der Richtwert II hingegen das 10-fache, nämlich 0,35 µg/m3. Sie müssen sich das als ein Ampelmodell vorstellen. Die Einhaltung des Richtwertes I (grün) bedeutet "Risikoausschluss", der Bereich zwischen den Richtwerten I und II (gelb) bedeutet "Überwachungsbedarf" und die Überschreitung des Richtwertes II bedeutet "Handlungsbedarf". Auch diese Werte sind Mittelwerte, dürfen also kurzzeitig überschritten werden. Der häusliche Grenzwert liegt bedeutend niedriger, weil hier strengere Masstäbe angelegt werden (müssen), da die eigene Wohnung den Lebensmittelpunkt darstellt, sich dort z.B. auch Kinder aufhalten können usw.
Biologischer Grenzwert (Messung in Körperflüssigkeiten)
Quecksilber gehört zu den wenigen Giften, die sich in derart geringen Konzentrationen in Blut oder Urin messen lassen können, dass man auch hier Grenzwerte festlegen kann. Bei jedem Menschen ist also Quecksilber nachweisbar. Der Hauptaufnahmeweg ist Fischverzehr, daneben auch die ubiquitäre Atemluftbelastung durch Kohleverstromung, da Kohle nicht ganz quecksilberfrei ist. Eine typische Belastung sind etwa 0,50 µg/l im Vollblut. Wenn Sie noch Amalgamfüllungen in den Zänen haben, kann der Wert leicht erhöht sein. Signifikant erhöt ist er nach Fischverzehr mit etwa 0,80 µg/l. Der "amtliche" Grenzwert ist in der TRGS 903 festgelegt und ist für den Laien leider wenig anschaulich, weil die Quecksilberkonzentration mit dem Kreatiningehalt im Urin ins Verhältnis gesetzt wird. Die Belastung im Vollblut ist nicht amtlich reglementiert, jedoch gelten 2 µg/l medizinisch als unkritisch.

Aufnahmewege

Quecksilber ist ein prägnantes Beispiel für Stoffe, die nur bei bestimmten Applikationsarten giftig sind. Nur das Einatmen von Quecksilber ist giftig. Durch die Haut wird es kaum resorbiert, weshalb Sie schadlos auch mal mit dem Finger in eine Quecksilberpfütze titschen können. (Sie müssen danach nur sorgfältig sicherstellen, dass kein Quecksilber am Finger haften geblieben ist.) Elementares Quecksilber kann man sogar verschlucken, ohne notwendigerweise daran zu sterben: Es wurde im Mittelalter zur Therapie von Darmverschlüssen verwendet.

Anders verhält es sich mit Quecksilber, welches wir durch Fischverzehr aufnehmen. Im Körper, also auch im Fischkörper liegt das Quecksilber nicht mehr elementar sondern überwiegend als Methylquecksilber vor. Dieses wird im Verdauungstrakt leicht resorbiert.

Verwendung

Für Quecksilber gab es früher diverse Anwendungen. Der Arzt hat mit Quecksilbermanometern den Blutdruck gemessen, wir alle hatten Fieberthermometer mit Quecksilberfüllung, auch heute noch gibt es Menschen mit Amalgamzahnfüllungen, technisch ist es z.B. als Elektrodenmaterial bei der Chloralkali-Elektrolyse verwendet worden. Und es ist unabdingbar für die Funktion von Leuchtstoffröhren. Heutzutage ist die Verwendung von Quecksilber aus ökologischen Grünen unerwünscht. Quecksilber ist zum unnötigen Element geworden. Nur bei den Leuchtstoffröhren bleibt es unersetzlich. Daran hat niemals jemand Anstoß genommen - auch wenn solche Leuchtmittel auch im häuslichen Bereich z.B. als Badezimmerspiegelbeleuchtung oder als Küchenschrankhinterleuchtung Verwendung fanden oder noch finden. Erst als die Wolframfadenlampen verboten wurden, wurde eine "German-Angst"-Lawine losgetreten, indem man den Kompaktleuchstofflampen (=Energiesparlampen) schlimmste Gesundheitsrisiken unterstellte, obwohl die im Gegensatz zu Leuchtstoffröhren viel weniger Quecksilber enthalten, nämlich nur noch etwa 1,5 mg.

Unzählige Forscher und Sicherheitsbeamte haben in der Folge betriebswarme und kalte Energiesparlampen auf den Boden geschmissen und die resultierende Raumluftkonzentration bestimmt. Ja, durch so einem Lampenbruch kommt es zu einem Anstieg der Quecksilberkonzentration in der Atemluft, wobei der Richtwert II des Umweltbndesamts regelmäßig überschritten wird, also Handlungsbedarf entsteht. Der besteht natürlich im Beseitigen der Scherben und im Lüften des Raumes. Alle Forscher und Beamte kamen dabei zu dem Ergebnis, dass diese Maßnahmen die Raumluftkonzentration rasch und dauerhaft wieder unter die Richtwerte des Umweltbundesamts drücken und eine Gesundheitsgefährdung also ausgeschlossen ist. Diese könnte sich erst dann einstellen, wenn man sich mit den Scherben zusammen im Raum einschließt und ihn, ohne zu lüften, über Wochen oder Monate nicht verlässt.

Auch die Ängstlichen haben sich inzwischen wohl ein bisschen an die Sparlampen gewönt, bzw. haben es zur Kenntns nehmen müssen, dass Presse und Fernsehen einfach nichts bedrohliches von Energiesparlampenunfällen zu berichten haben. In naher Zukunft werden Energiesparlampen wohl von LED-Leuchtmitteln verdrängt werden und es ist ja ganz gut, dass es dann eine Aufgabe weniger für die Schule gibt, Aufklärungsarbeit zu leisten.

Entsorgung von Energiesparlampen

Das ist Verbrauchern schwer zu vermitteln: Der Betrieb der Energiesparlampe ist nicht gefährlich. Aha! (s.o.) Trotzdem muss die Energiesparlampe als Sondermüll entsorgt werden - man darf sie nicht in den Hausmüll geben. Dann ist sie also doch gefährlich! Da stimmt doch was nicht!

Nehmen wir an, jeder der etwa 80 Millionen Bundesbürger würde pro Jahr eine Energiesparlampe in den Müll schmeißen. Das ergäbe eine Quecksilberfreisetzung von 80 Millionen mal 1,5 mg = 120 kg Quecksilber. Das hört sich schrecklich viel an, ist aber nur ein Klacks verglichen mit den 7 Tonnen (2013), die Deutsche Kohlekraftwerke jährlich in die Atmosphäre blasen. Worum es dabei aber geht: Das Entsorgen von Energiesparlampen in den Hausmüll ist eine vermeidbare Umweltbelastung. Inzwischen ist das politische Ziel, auch die Verbrennung von Kohle mehr und mehr zu vermeiden. Es wird dadurch nicht nur weniger Kohlendioxid in die Atmosphäre geblasen sondern auch weniger Quecksilber.

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