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Landesverband

Mineralöle

Einteilung

Mineralöle werden aus Erdöl gewonnen. Man unterscheidet:

MOSH: Mineral Oil Saturated Hydrocarbons
Es handelt sich um gesättigte Kohlenwasserstoffe (C10 bis C50). Niedermolekulare Mischungen sind tatsächlich ölig, höhermolekulare Gemische sind hingegen wachsartig fest. Mineralöle in technischer Qualität enthalten stets auch aromatische Kohlenwasserstoffe, also "MOAH" (15 - 35 %). Zur Verwendung z.B. in Kosmetikprodukten werden die aromatischen Systeme zu Cycloalkanen hydriert, weshalb "reines" MOSH sowohl offenkettige Alkane als auch Cycloalkane enthält.
MOAH: Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons
Aromatische Kohlenwasserstoffe können krebserzeugend sein. Die Situation ist nicht vergleichbar mit PAKs. Es sind also keineswegs viele oder gar alle aromatischen Kohlenwasserstoffe krebserzeugend. Da es sich bei MOAH aber um komplex zusammengesetzte Gemische handelt, kann das Vorhandensein krebserzeugender Komponenten nicht ausgeschlossen werden. MOAHs sind deshalb immer unerwünscht und dürfen in MOSHs deshalb nur in Spuren enthalten sein. In Medikamenten verwendete Paraffine müssen gemäß dem Europäischen Arzneibuch UV-spektroskopisch entsprechend geprüft sein. Das ist zunächst einmal naheliegend, da aromatische Systeme im Gegensatz zu gesättigten Alkanen UV-aktiv sind, jedoch zweifelt die Stiftung Warentest an, daß diese Methode empfindlich genug ist.

Vorkommen in Kosmetikprodukten

Mineralölprodukte können in Kosmetikprodukten z.B. als hautfettender Bestandteil enthalten sein. Paraffine haben folgende Vorteile:

  • Sie sind langzeitstabil und werden z.B. nicht ranzig.
  • Sie sind nicht allergen.
  • Sie sind preiswert.
  • Sie können in stets gleichbleibender Qualität hergestellt werden.

Paraffine dringen nach derzeitigem Kenntnisstand nur wenig in die Haut ein. Einerseits ist das gut, weil die körperfremden Substanzen so keinen Schaden anrichten können. Von angepriesener "Tiefenpflege" der Haut kann dann allerdings keine Rede mehr sein. Man geht davon aus, daß die Paraffine auf der Hautoberfläche einen okklusiven Effekt entfalten, die Haut also abdichten. Gegner sehen darin eine Behinderung der Hautatmung, Befürworter erkennen allenfalls einen teilokklusiven Effekt mit damit verbundener erwünschter Rückhaltung von Feuchtigkeit und einem Barriereschutz.

Mineralölprodukte in Kosmetikprodukten erkennt man an der Zutatenliste. Typische Bezeichnungen sind:

  • Alkane,
  • Cera Microcristallina,
  • Ceresin,
  • Microcrystalline Wax,
  • Mikrokristallines Wachs,
  • Mineral Oil,
  • Mineralwachs,
  • Paraffinum Liquidum,
  • Paraffinum Subliquidum,
  • Paraffinwachs,
  • Petrolatum,
  • Vaseline

Eine gesundheitliche Gefahr stellt die Verwendung von Mineralölen in Kosmetikprodukten nach derzeitiger Erkenntnis nicht dar. Mineralöle werden seit über hundert Jahren in Kosmetikprodukten verwendet, ohne dass es dabei zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen gekommen wäre. Das gilt auch dann, wenn der Körper z.B. zur Behandlung der Schuppenflechte vollständig mit Vaseline eingecremt und abgedeckt wird. Kritischer wird das Problem jedoch bei Lippenstiften gesehen, weil diese im Mundbereich aufgetragen und die Inhaltsstoffe also verschluckt werden können.

Vorkommen in Lebensmitteln

Mineralöle in Lebensmitteln sind immer unerwünscht. Lebensmittel können während des Produktionsprozesses mit Mineralölen kontaminert werden, z.B. durch Schmierfette in verwendeten Maschinen oder das Mineralöl gelangt von der Verpackung in das Lebensmittel. In die Verpackung gelangen Mineralöle durch das Recyceln von Papiermaterialien, da Mineralöle in Druckfarben enthalten sind. Recyclingkartons enthalten typischerweise 300-1000 mg/kg Mineralöl. Auch durch das Bedrucken der Verpackung kann Mineralöl in die Verpackung gelangen. Da für Druckfarben nur technische Mineralölqualitäten verwendet werden, enthalten Kartons immer auch MOAH neben MOSH. Über den Übergang vom Karton in das Lebensmittel weiß man wenig. Da er vermutlich durch Ausgasen erfolgt, geht man davon aus, dass insbesondere Lebensmittel mit großer Oberfläche, also Reis, Gries, Mehl oder Frühstückscerealien schnell belastet werden können. Vor allem die leichter flüchtigen und also kürzerkettigen Kohlenwasserstoffe werden auch leichter vom Körper aufgenommen. Angaben, wie viel davon der Mensch im Laufe seines Lebens aufnimmt, schwanken. Publizierte Werte liegen etwa zwischen 5 und 10 g Mineralöl. Bei Versuchen mit entsprechend empfindlichen Tieren sind Schäden an Leber und Lymphknoten durch Einlagerung von Mineralölen beobachtet worden.

Verpackungsbedingte Kontaminationen von Lebensmitteln durch Mineralöle ließen sich vermeiden durch:

  • Mineralölfreie Druckfarben,
  • verbessertes Papierrecycling mit besserer Mineralölentfernung sowie
  • zusätzliches Verpacken der Lebensmittel in einem undurchlässigen Innenbeutel.

Werden ungeeignete Kunststoffmaterialien für den Innenbeutel verwendet, können aber gerade dadurch auch wieder Kohlenwasserstoffe in das Lebensmittel übertreten: Es handelt sich dabei um kurzkettige Polymerstränge, nämlich

POSH: Polyolefin oligomeric saturated hydrocarbons

Weitere Vorkommen

  • Beim Umgang mit Kraftstoffen oder Heizölen können kurzkettige Kohlenwasserstoffe eingeatmet werden.
  • Kerzen, Lampenöle, Grillkohlenanzünder usw. bestehen ebenfalls aus Kohlenwasserstoffen. Die hohe Gefahr für Kleinkinder, wenn Sie aus Neugierde Lampenöle trinken, beruht aber auf der Aspiration des Öls beim Trinken.
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