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Mikroplastik

Unter Mikroplastik versteht man kleine Kunststoffpartikel mit Durchmessern zwischen 5 mm und 0,1 µm. Noch kleinere Teilchen, also Nanopartikel kann man derzeit im Meerwasser technisch nicht messen. Mikroplastik ist insbesondere in Gewässern und in den Weltmeeren ein Problem, weil es von Wasserorganismen mit Nahrung verwechselt werden kann oder zusammen mit der Nahrung aufgenommen wird. Verschiedene Lebewesen resorbieren Mikroplastik aus dem Verdauungstrakt in umliegendes Gewebe. Von Miesmuscheln weiß man bereits, dass aufgenommenes Mikroplastik Entzündungen hervorruft. Da viele Umweltschadstoffe unpolar sind, verwundert es nicht, dass sich diese Stoffe an den unpolaren Plastikteilchen anlagern und dadurch anreichern. Darunter befinden sich auch Altlasten wie DDT oder polychlorierte Biphenyle. Auf der Oberfläche kann sich auch ein Biofilm mit pathogenen Keimen ausbilden. Je kleiner die Teilchen sind, umso größer ist die Oberfläche im Verhältnis zur Masse und um so höher die Wahrscheinlichkeit, von einem Organismus aufgenommen zu werden. Bei Wattwürmern verbleibt Mikroplastik überdies länger im Verdauungstrakt als Strandsand und kann so die weitere Nahrungsaufnahme behindern, wenn es in größerer Menge aufgenommen wird. Beim Menschen geht man davon aus, dass nur sehr kleines Mikroplastik resorbiert werden kann und der Rest unverändert wieder ausgeschieden wird. Nanoplastik kann auch in menschliche Zellen eindringen.

Mikroplastik wird zunehmend in Lebensmitteln gefunden, darunter im Mineralwasser, Bier, Milch, Honig und Meersalz. Man geht davon aus, dass Getränke, die in Plastikflaschen verpackt sind, Mikroplastik enthalten und dass auch alle in Plastik verpackten Lebensmittel Mikroplastik enthalten, insbesondere, wenn man von tiefgekühlten Lebensmitteln Plastikverpackungen mit Gewalt abreißt. So lange die Menschheit nur die Umwelt mit Plastik behelligt hat, war das nur beiläufige Erwähnung wert. Dass aber 2018 erstmals im Stuhl von Probanden Mikroplastik nachgewiesen wurde, war dann doch eine Angstmachernachricht, obwohl gerade dieser Fundort erst mal nur beweist, dass das dort gefundene Mikroplastik eben gerade nicht vom Körper aufgenommen worden ist.

Man unterscheidet grundsätzlich folgende Herkunftsarten:

Primäres Mikroplastik
Primäres Mikroplastik ist schon als Mikroplastik hergestellt worden. Plastikpartikel werden z.B. bei sandfreiem Sandstrahlen eingesetzt, um z.B. Farbschichten zu entfernen. Auch die Kosmetikindustrie verwendet Mikroplastik z.B. als Schleifmittel in Zahnpasten oder Peeling-Cremes.
Sekundäres Mikroplastik
Sekundäres Mikroplastik entsteht durch Verrottung von in Flüsse oder Meere geschüttetem Plastikmüll. In den Weltmeeren geschieht die Zersetzung photolytisch und durch Scherkräfte bei Bewegungen in der Meeresströmung, wobei die Photolyse nur oberflächennah möglich ist und Plastikteile (deshalb) erst nach langer Zeit abgebaut sind. Für eine Kunststoffflasche rechnet man z.B. mit 450 Jahren. Man schätzt, dass derzeit etwa 500.000 Tonnen Plastikmüll in den Meeren herumtreiben. Vor allem in kreisförmigen Meeresströmungen reichert sich der Plastikmüll an. Inzwischen gibt es schon richtige Müllstrudel, z.B. den "Great Pacific Garbage Patch".

Die Menge an Mikroplastik in den Weltmeeren wird auf 21.000 Tonnen geschätzt. Da sich diese nicht gleichmäßig verteilen, wurden auch schon Küstengebiete gefunden, wo der Sandstrand bereits zu 3 % aus Mikroplastik bestand. Mikroplastik besteht zum großen Teil aus den Standardkunststoffen

  • Polyethylen (PE),
  • Polypropylen (PP),
  • Polyamid (PA),
  • Polyvinylchlorid (PVC) und
  • Polyethylenterephthalat (PET).

Was bei der Verwendung ein Vorteil war, dass diese Kunststoffe nämlich (chemisch) stabil sind, ist in der Umwelt ein Problem: Der Müll zersetzt sich zu langsam.

Es ist offensichtlich, dass durch eine Verhinderung des Mülleintrags in Flüsse und Weltmeere das Problem entscheidend gebessert werden könnte. Nur müssten - wenn dies effektiv geschehen soll - vor allem jene Nationen eingebunden werden, in denen Umweltstandards noch unterentwickelt sind. Leider wird offenbar genau das Gegenteil passieren: Nach einer Untersuchung der McKinsey&Company wird es im Jahr 2030 weltweit 80 % mehr Plastikmüll geben als 2018. Die McKinsey-Studie macht dafür vor allem den Nachholbedarf aufstrebender Volkswirtschaften verantwortlich.

Was das primäre Mikroplastik angeht, stellt sich eher das Problem, dass oft gar nicht sichtbar ist, wie das Problem vermieden oder wenigstens verringert werden könnte: Mit mehr als 50 % Anteil gilt hier der Reifenabrieb von Autoreifen als größte Quelle. Danach folgt der Schuhsohlenabrieb. Entsprechende Stäube werden vom Wind fortgetragen und in Gewässer gespült. Verbraucher setzen Mikroplastik auch in Form von Mikrofasern frei, wenn sie Wäschestücke aus Kunstfasern waschen. Auch diese Fasern gelangen in die Umwelt, denn die Kläranlagen halten zwar 95 % des Mikroplastiks zurück, jedoch gelangt dieses wieder in Freiheit, wenn der Klärschlamm mangels Verbrennungskapazitäten zur Düngung von Äckern verwendet wird.

Verzichtbar ist Mikroplastik in Kosmetikartikeln. Verschiedene Kosmetikfirmen haben bereits erklärt, kein Mikroplastik mehr zu verwenden. Die EU erwägt sogar ein Verbot. Bis dahin können Verbraucher darauf achten, keine Produkte zu kaufen, die Mikroplastik enthalten, indem sie auf die Inhaltsliste schauen und dort darauf achten, dass keine polymeren Bestandteile enthalten sind, also keine Substanzbezeichnungen, in denen die Buchstabenfolge "poly" enthalten ist und keine Kunststoffakronyme wie "PE", "PP" usw. vorhanden sind. Das bewirkt hinsichtlich der Menge des in den Meeren landenden Mikroplastiks für sich allein zwar wenig, erzeugt aber einen gewissen öffentlichen Druck.

Der globale Plastikmüll in den Weltmeeren entstammt zu 90 % dem Eintrag von nur 10 Flüssen, davon 8 in Asien und 2 in Afrika. Man muss China dankbar dafür sein, dass es den Europäern den Plastikmüll nicht mehr abnimmt, denn dadurch kann es nicht mehr passieren, dass die sorgsamst in der gelben Tonne entsorgte Plastiktüte dann doch über chinesische Flüsse den Weg ins Meer findet.

2017 wurden in Deutschland die meisten Kunststoffe für Verpackungen verbraucht (3,14 Millionen Tonnen). Es folgen Bauwirtschaft (2,65 Millionen Tonnen) und Autoindustrie (1,1 Millionen Tonnen). Von 6 Millionen Kunststoffabfall wurden 2,8 Millionen Tonnen wiederverwertet und 3,2 Millionen Tonnen verbrannt. Die "Grünen" fordern, den Anteil wiederverwertbarer Kunststoffe substantiell zu erhöhen. Die EU plant, Einwegverbrauchsartikel wie Plastikbesteck oder Wattestäbchen mit einem Plastikstiel zu verbieten. Verbraucher sollten

  • unnötige Autofahrten vermeiden,
  • bei ihren Einkäufen Plastikeinwegverpackungen und -gefäße vermeiden,
  • keine Erzeugnisse kaufen, die Mikroplastik enthalten und
  • Plastikabfälle sachgerecht entsorgen.

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