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Landesverband

Die hier gegebenen Hinweise sind nach bestem Wissen und Gewissen zusammengetragen. Sie sind hoffentlich eine Hilfe, müssen aber dennoch leider ohne Gewähr für Richtigkeit und Vollständigkeit bleiben. Sie entbinden insbesondere nicht von der eigenverantwortlicher Recherche und Entscheidung hinsichtlich zu treffender Maßnahmen im Umgang mit Gefahrstoffen. Hinweise, Rückmeldungen und Fragen sind willkommen.

Schliffverbindungen trennen

Das Trennen von Schliffverbindungen erfordert Erfahrung. Lassen Sie sich von diesem Statement aber nicht entmutigen, denn Erfahrung können Sie nur sammeln, indem Sie es immer wieder probieren (und sich dabei möglichst etwas von erfahrenen Personen abgucken). Lassen Sie sich also nicht unterkriegen, wenn der Erfolg bei den ersten Malen noch unbefriedigend ist.

Auch wenn Sie nachfolgend so eine Art Ablaufschema sehen - jeder Fall ist anders und wir können hier nicht alle Spezialfälle behandeln.

Vorbereitung: Handschutz

Oft werden Tücher als Handschutz empfohlen. Sie setzen aber die Geschicklichkeit herab und schützen nicht wirklich vor Splittern. Im Gegenteil werden bei Bruch auch noch Tuchfetzen in die Wunde getrieben. Besser sind Handschuhe. Es gilt:

  • Müssen Sie befürchten, dass Ihnen beim Lösen einer Schliffverbindung Apparaturinhalte über die Hand schwappen, so tragen Sie passende Chemikalienschutzhandschuhe!
  • Sind die zu trennenden Glasgeräte heiß (z.B. weil Sie sie angewärmt haben), so verwenden Sie Lederhandschuhe ("Gartenhandschuhe"), die gleichzeitig auch einen gewissen Schnittschutz bieten!
  • Befürchten Sie hingegen, dass Ihre Versuche, die Glasverbindung zu trennen, zum Bruch des Glases führen könnte, so verwenden Sie Schnittschutzhandschuhe!

Versuch 1: Klopfen

Klopfen ist eine relativ universell anwendbare Technik. Nur wenn Sie schon sehen, dass die Schliffverbindung verklebt oder verharzt ist, erwärmen Sie lieber gleich, anstatt zu klopfen. Nachfolgend ist das Lösen eines Stopfens aus einem Kolben beschrieben.

Schema Schliffe trennen Bei einem festsitzenden Stopfen wird in Pfeilrichtung gegen den Schliffrand geklopft. Es sind die dadurch ausgelösten minimalen Glasschwingungen, die zum Trennen der Schliffverbindung führen.
Holzstab zum Trennen von Schliffen Am besten geht das mit einem Stock aus Hartholz. Der Stock in der Abbildung ist schon sehr abgenutzt. Das abgetragene Holz hat eine schön rauhe Oberfläche zurückgelassen, die an vorhandenen Glasvorsprüngen gut greift.
Trennen von Schliffen durch Klopfen Am kräftigsten dürfen Sie auf den Wulst der Schliffhülse schlagen, weil das Glas hier am dicksten ist. Wenn Sie durch flachere Schläge den Stopfen herausschlagen wollen, müssen Sie vorsichtiger sein, weil der nicht so viel aushält.

Haben Sie Geduld! Wenn es nicht klappen will, drehen Sie den Schliff etwas und schlagen Sie von der anderen Seite. Es kann sein, dass Sie ein bis zwei Minuten schlagen müssen, bis Sie Erfolg haben! Die Schläge sollen aus der lockeren Hand kommen. "Schieben" Sie also den Stock nicht hin und her, als wollten Sie irgendetwas abkratzen, sondern stellen Sie sich vor, Sie würden gerade Schlagzeug spielen! Wenn die Schliffe sich trennen, verändert sich der durch das Schlagen ausgelöste Klang und wird dann in der Regel etwas dumpfer.

Spezialfall: Festsitzendes Hahnküken

Ein festsitzendes Hahnküken sollten Sie lieber nicht erwärmen, da das Küken sehr häufig aus einem anderen Glasmaterial hergestellt wird als der Hahn. Das Glas des Hahnkükens hat - ist das eigentlich Absicht? - dann einen stärkeren Wärmeausdehnungskoeffizienten und zersprengt deshalb beim Erwärmen den Hahn. In so einem Fall hören Sie beim Erwärmen alsbald ein "Pling", was Ihnen anzeigt, dass Sie jetzt zwar ganz leicht das Küken herausbekommen, aber der Hahn lägs in voller Länge durchgerissen und also kaputt ist.

Stützen Sie den Hahn auf einer harten Unterlage ab! Am besten ist ein Stück Stahl. Treiben Sie dann durch Schläge mit einem Holzstück das Küken aus!

Versuch 2: Erwärmen

Das Erwärmen von festsitzenden Schliffverbindungen ist vor allem dann erfolgversprechend, wenn es dabei irgendetwas zwischen den Schliffen sitzendes zu erweichen gilt. Das kann z.B. altes Schlifffett sein. Schliffe, zwischen denen Material sitzt, erkennen Sie daran, dass die Schliffverbindung an den entsprechenden Stellen durchscheinend ist. Zusätzlich soll sich beim Erwärmen der äßere Schliff schneller erwärmen als der innere, weshalb das Erwärmen sehr rasch erfolgen muss. Der gewünschte Effekt ist der, dass sich der äußere wärmere Schliff um jenes Quentchen mehr ausgedehnt hat, das eine Trennung der Verbindung ermöglicht. Das Anblasen der Schliffverbindung mit einem Heißluftgebläse ist deshalb nur mäßig zielführend: Zwar werden verbackende Materialien weich, aber der Effekt der schnelleren Wärmeausdehnung des äußeren Schliffs kann nicht genutzt werden. Sie müssen mit einem Bunsenbrenner erhitzen!

Vorsicht bei geschlossenen Apparaturen mit Inhalt! (z.B. mit einem Stopfen verschlossener Kolben.) Wird innen befindliche Flüssigkeit über Ihren Siedepunkt erwärmt, kann der Druck alles zum Platzen bringen! Wenn die Flüssigkeit beim anschließenden Hantieren an den gerade eben heiß gemachten Schliff gelangt, bricht überdies das Glas infolge thermischer Spannungen.

Animation Schliffe trennen durch Erwärmen Nebenstehende Animation soll einen Eindruck vermitteln, wie es geht.

Überlegen Sie vorher sorgfältig, wie Sie die Werkstücke anfassen wollen, damit Sie sich nicht die Finger verbrennen! Der Brenner wird mit voller Leistung betrieben ("rauschende Flamme") und soll den Schliff rundum so rasch als möglich erwärmen. Ist es besser, das Werkstück in der Flamme zu drehen oder sollte man den Brenner um den Schliff herum drehen?

Wichtig ist der richtige Zeitpunkt, um die Schliffe erfolgreich zu trennen. Die Animation macht deutlich, dass es meistens Veränderungen im Schliff gibt (z.B. Blasenbildung), wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Der richtige Ort, Schliffe durch Erwärmen zu trennen, ist der Abzug, denn von den Schliffen dampft nach dem Trennen gehörig alles das ab, was zum Verbacken der Schliffe geführt hat.

Versuch 3: Einölen

Wenn Sie den Eindruck haben, dass die Schliffe nur "irgendwie verkantet" sind, können Sie versuchen, die Schliffoberflächen durch Einölen gleitfähiger zu machen. Die Methode ist dann erfolgversprechend, wenn der Raum zwischen den Schliffen leer, die Schliffe also blind sind.

Träufeln Sie Kriechöl in den Schliffzwischenraum und lassen Sie längere Zeit einwirken, am besten, bis der gesamte Schliff vom Kriechöl benetzt ist.

Spezialfall: Abgebrochenes Schliffstück

Steckt ein abgebrochener Schliffkern in einer Schliffhülse, so kann es schwer sein, diesen herauszubekommen, weil man nirgendwo wirklich anfassen kann, ohne sich zu verletzen. Was Sie hier brauchen, ist eine Art "Ausziehwerkzeug"

Abgebrochene Schliffe trennen Besorgen Sie sich ein Stück Flacheisen, das schmal genug ist, dass es auch durch einen NS14-Schliffkern hindurchpasst! Feilen Sie in das Eisen einen Haken hinein!
Abgebrochene Schliffe trennen Durch die Öffnung hindurchstecken ...
Abgebrochene Schliffe trennen ... und dann das Flacheisen mit ein bisschen Schwung so aus dem Schliff herausziehen, dass der Haken gegen den Schliffstumpf schlägt.

Was sonst noch helfen kann

  • Längeres Kochen in Wasser
  • Behandlung in einem Ultraschallbad, am besten auch in warmem Wasser.