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Landesverband

Die hier gegebenen Hinweise sind nach bestem Wissen und Gewissen zusammengetragen. Sie sind hoffentlich eine Hilfe, müssen aber dennoch leider ohne Gewähr für Richtigkeit und Vollständigkeit bleiben. Sie entbinden insbesondere nicht von der eigenverantwortlicher Recherche und Entscheidung hinsichtlich zu treffender Maßnahmen im Umgang mit Gefahrstoffen. Hinweise, Rückmeldungen und Fragen sind willkommen.

Kühlschränke für Chemikalien

In der RiSU heißt es:

Nur in begründeten Ausnahmefällen dürfen entzündbare Flüssigkeiten (z. B. Diethylether, Pentan, Acetaldehyd) im Kühlschrank bereitgehalten werden. Er darf im Innenraum keine Zündquellen haben. Zündquellen im Kühlschrank bei Normalausführung sind z. B. Leuchten, Lichtschalter, Temperaturregler, Abtauautomatik. Die umgebauten Kühlschränke müssen mit der Aufschrift: "Nur Innenraum frei von Zündquellen" gekennzeichnet sein.

Worum geht es?

Ein Kühlschrank erfüllt seinen Zweck dann besonders gut, wenn er absolut dicht ist. Befindet sich aber eine leicht entzündliche Flüssigkeit im Kühlschrank und kann der Dampf aus dem Behältnis entweichen, so genügt bei handelsüblichen Kühlschränken ein verdampftes Volumen von einigen Millilitern, um im Kühlschrank eine explosionsfähige Atmosphäre zu erzeugen. Aus der Vergangenheit sind schwere Unfälle durch explodierte Kühlschränke bekannt.

Ob eine Flüssigkeit im Kühlschrank eine explosionsfähige Atmosphäre erzeugen kann, verrät ihr Flammpunkt. Da von diesem Flammpunkt auch die Einstufung der Feuergefährlichkeit abhängt, gilt folgendes:

  • Eine Flüssigkeit, die nicht mit dem Flammenpiktogramm (GHS02) gekennzeichnet ist, kann weder außerhalb bei Raumtemperatur noch innerhalb des gekühlten Bereichs eine explosionsfähige Atmosphäre erzeugen.
  • Für eine Flüssigkeit, die mit dem Flammenpiktogramm (GHS02) und dem H-Satz H226: Flüssigkeit und Dampf entzündbar gekennzeichnet ist, gilt das gleiche. Bei geringer Erwärmung kann aber ein explosionsfähiges Dampf-/Luftgemisch entstehen. Etwas pauschal wird in der RiSU dennoch gefordert, dass auch solche Flüssigkeiten nur in "begründeten Ausnahmefällen" im Kühlschrank bereitgehalten werden dürfen.
  • Eine Flüssigkeit, die mit dem Flammenpiktogramm (GHS02) und entweder dem H-Satz H225: Flüssigkeit und Dampf leicht entzündbar oder H224: Flüssigkeit und Dampf extrem entzündbar gekennzeichnet ist, kann möglicherweise im Kühlschrank eine explosionsfähige Atmosphäre bilden.

Eine exakte Aussage erhalten Sie, wenn Sie den Flammpunkt recherchieren. Für die in der RiSU als Beispiele benannten Flüssigkeiten gilt:

 

SubstanzFlammpunkt [°C]
Diethylether-40
Pentan-49
Acetaldehyd-20

Diethylether und Pentan können also selbst im Tiefkühlfach noch locker eine explosible Atmosphäre erzeugen. Ist die Kühlleistung nicht zu schwach eingestellt, wird das Tiefkühlfach hingegen für Acetaldehyd zum gefahrlosen Aufbewahrungsort - jedenfalls so lange wie der Kühlschrank funktioniert und nicht defekt oder stromlos ist. Acetaldehyd hat nämlich einen sehr niedrigen Siedepunkt von 20 °C. Wenn es also in Ihrem Chemiesaal oder in Ihrem Sammlungsraum ein kleines bisschen zu warm wird, gerät der Flascheninhalt unter Druck und ist deshalb im Kühlschrank besser aufgehoben, zumal flüssige Aldehyde dazu neigen, bei Raumtemperatur allmählich zur entsprechenden Carbonsäure zu oxidieren, also zu verderben!

Wege zum regelkonformen Kühlschrank

Wenn es z.B. durch einen fehlerhaften, nicht dicht schließenden Deckel dazu kommt, dass sich im Inneren des Kühlschranks eine explosionsfähige Atmosphäre ausbildet, darf sich im Inneren keinesfalls auch noch eine Zündquelle befinden. Das ist der Grund für die Auflagen der RiSU. Wenn Sie einen "richtigen" Laborkühlschrank haben, sind Sie fein raus. Was aber tun, wenn die dafür notwendigen 1500,- bis 3000,- € niemand finanzieren will und es deshalb doch bei einem Haushaltskühlschrank bleibt?

  • Temperaturregler: Es gibt Haushaltskühlschränke, bei denen sich die Bedienungselemente (z.B. Temperaturregler) außerhalb des Kühlraums befinden. Es ist dabei nicht notwendig, dass die Bedienungselemente auch von außen sichtbar sind. Sie können gern von der Tür verdeckt werden und müssen sich nur außerhalb der Türdichtung befinden.
  • Beleuchtung: Um die Innenbeleuchtung werden Sie sich selbst kümmern müssen. Das Entfernen des Leuchtmittels reicht nicht, die vorhandene Elektrik darf nicht mehr mit dem Innenraum in Verbindung stehen. Hier werden Sie kreativ sein müssen. Möglichkeiten sind: Mit einem passenden Kunststoffstück abkleben oder das Lampengehäuse selbst abdichten, z.B. mit Heißkleber.
  • Abtauautomatik: Das an der Innenrückwand herablaufende Kondensat läuft üblicherweise durch ein kleines Loch nach draußen, wo es auf einer Schale landet, die durch den Kompressor erwärmt wird, wodurch das Wasser verdunsten soll. Diese Öffnung müssen Sie verschließen. Vielleicht haben Sie Glück und Sie können das Kondensat mit einem Schlauch in eines der unteren Gemüsefächer umleiten. Sonst müssen Sie öfter wischen...
  • Für die Beschriftung mit dem Text "Nur Innenraum frei von Zündquellen" gibt es fertige Lösungen.

Gelingt es Ihnen nicht, den Anforderungskatalog zu erfüllen, müssen Sie ein anderes Schild an Ihrem Kühlschrank anbringen (und sich natürlich auch daran halten):

In diesem Kühlschrank ist das Aufbewahren brennbarer Stoffe verboten!

Beachten Sie Ihre Befugnisse! Sie dürfen bei einem Kühlschrank zwar das Leuchtmittel entfernen, nicht aber an der Elektrik herumbauen. Es lohnt deshalb, sich vorab einen Kühlschrank auszusuchen, der schon im Werkszustand dem Ziel nahekommt, also neben den außen angebrachten Bedienelementen insbesondere auch eine leicht abdichtbare Beleuchtungsöffnung bzw. Beleuchtungsgehäuse hat. Natürlich soll er auch keinen Ventilator etc. haben. Da die Firmen Ihre Modelle immer wieder wechseln, müssen Sie selbst suchen, welche Modelle aktuell in Frage kommen.

Umgang mit dem (umgerüsteten) Kühlschrank

  • Stellen Sie nur gasdicht verschlossene Gefäße in den Kühlschrank. Ein Korken ist z.B. nicht gasdicht.
  • Sichern Sie bei Schliffgeräten die Schliffe mit einer Klemme und schützen Sie Rundkolben vor dem Umfallen, z.B. durch Einstellen in ein Becherglas.
  • Überladen Sie den Kühlschrank nicht!
  • Tauen Sie vereiste Kühlschränke ab! Ein vereister Kühlschrank kühlt nicht richtig. Kratzen Sie nicht an der Eisschicht herum! Wenn Sie dabei eine Kühlwendel beschädigen, kann das Kältemittel schlagartig entweichen, welches brennbar ist und deshalb schlagartig eine explosionsfähige Atmosphäre erzeugt!
  • Das "Bereithalten" von entzündlichen Flüssigkeiten im Kühlschrank ist in den seltensten Fällen sachlich begründet. (Ausnahme: Acetaldehyd s.o.) Wenn aus einem entzündlichen Lösemittel umkristallisiert wurde und die Kristallisation durch weiteres Abkühlen im Kühlschrank vervollständigt werden soll, so ist das kein "Bereithalten" im Sinne der RiSU sondern eine Verwendung. Das Einstellen der übersättigten Lösung ist überdies "begründet", denn dies erfolgt ja zum Gelingen des Experiments.
  • Halten Sie die Menge entzündlicher Stoffe so klein wie möglich. Im Sinne der RiSU ist es einfacher zu handhaben, wenn Sie grundsätzlich alle mit dem Flammenpiktogramm (GHS02) gekennzeichneten Stoffe nur dann in den Kühlschrank stellen, wenn dies sachlich geboten ist. Auch nicht entzündliche Stoffe haben übrigens ohne Grund nichts im Kühlschrank zu suchen, beschwören aber immerhin keine Explosionsgefahren herauf.
  • Kennzeichnen Sie Chemikalien, die sich nicht in Originalgebinden befinden, mit Urheber, Inhalt und Datum, so dass auch die Kollegen wissen, um was es sich handelt und wer das wann eingestellt hat.
  • Nicht mehr benötigte Kühlschrankinhalte sind zu entsorgen.

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