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Landesverband

Die hier gegebenen Hinweise sind nach bestem Wissen und Gewissen zusammengetragen. Sie sind hoffentlich eine Hilfe, müssen aber dennoch leider ohne Gewähr für Richtigkeit und Vollständigkeit bleiben. Sie entbinden insbesondere nicht von der eigenverantwortlicher Recherche und Entscheidung hinsichtlich zu treffender Maßnahmen im Umgang mit Gefahrstoffen. Hinweise, Rückmeldungen und Fragen sind willkommen.

Feuerlöscher

Abgesehen davon, dass Brände Menschenleben bedrohen können, sind auch die materiellen Auswirkungen eines Brandes verheerend. Schaden entsteht nicht nur durch verbranntes Inventar, sondern in einem weiten Umfeld gibt es Schäden durch den überall hineindringenden Rauch und Ruß. Im entsprechenden Umfeld werden umfangreiche Reinigungsarbeiten notwendig, die sehr aufwändig sein können, wenn sich herausstellt, dass die Brandherdumgebung nunmehr schadstoffbelastet ist. Der Ruß kann darüber hinaus das Inventar wie z.B. Bücher oder Computer unbrauchbar machen, indem er durch Lüftungsschlitze in die Geräte eintritt und dort Fehlerströme auf den Platinen verursacht.

Zur Bekämpfung eines Entstehungsbrandes werden Feuerlöscher benutzt. Erfolg hat man damit nur, wenn der Brand noch nicht in die sog. Wirkphase eingetreten ist, bei der sich die Brandherdumgebung aufzuheizen beginnt und im Endstadium mehrere hundert Grad beträgt.

Obwohl Feuerlöscher eigentlich leicht zu bedienen sind, besteht häufig eine große Scheu, sich mit der Funktionweise eines Feuerlöschers auseinanderzusetzen.

  • Schauen Sie sich die Feuerlöscher in Ihrem Arbeitsbereich an! Meist stecken Sie in einer Wandhalterung. Wie kann man sie von diese Wandhalterung abnehmen? Manchmal hängen sie an einem Haken und zum Lösen müssen Sie also etwas hochgehoben werden. Andere Löscher werden von einer Klammer gehalten. Üben Sie, wie Sie den Löscher aus der Wandhalterung herausbekommen. Im Ernstfall versuchen Sie in sonst in der Hektik, den Löscher samt Halterung aus der Wand herauszureißen!
  • Jeder Löscher hat einen verplombten Sicherungsmechanismus. Das kann z.B. ein Sicherungsstift sein. Die unversehrte Plombe zeigt an, dass der Löscher noch vollständig gefüllt ist. Schauen Sie sich an, wie man den Sicherungsmechanismus deaktiviert. Meist muss man dazu einen Sicherungsstift herausziehen, manchmal auch eine Taste drücken.
  • Wenn es in Ihrem Umfeld Feuerlöschübungen gibt, so lassen Sie keine Gelegenheit aus, daran teilzunehmen! Solche Übungen werden meist von den Herstellerfirmen als Kundenservice durchgeführt. Wenn es in Ihrem schulischen Umfeld keine entsprechenden Unterweisungen gibt, können Sie vielleicht an einer Löschübung einer Universität teilnehmen.

Nicht jeder Löscher hilft bei jeder Art von Brand. Man unterscheidet sog. Brandklassen. Im schulischen Bereich kommen meist folgende Löscher zur Anwendung:

  • Schaumlöscher
    decken in der Regel die Brandklassen "A" und "B" ab, man kann damit also Feststoff- und Flüssigkeitsbrände löschen. Große brennende Flüssigkeitsmengen löschen sie mit einer kurzen Verzögerung, weil es etwas dauert, bis sich der Schaum über die Flüssigkeitsoberfläche ausgebreitet hat. Das ist per se nicht nachteilig, kann aber Panik beim Benutzer auslösen, wenn der von diesem Umstand nichts weiß.

  • Pulverlöscher
    decken die Brandklassen "A", "B" und "C" ab (daher die Bezeichnung "ABC-Löschpulver"), können also auch Gasbrände bekämpfen. Letzteres ist nicht unbedingt ein Vorteil, denn wenn z.B. aus einem Leck nach dem Löschen weiterhin brennbares Gas austritt, besteht sofort akute Explosionsgefahr. Kann man die Gaszufuhr nicht unterbinden, kann es deshalb sein, dass es besser ist, das ausströmende Gas lieber kontrolliert abbrennen zu lassen. Pulverlöscher werden zunehmend von Schaumlöschern verdrängt, weil sie hohe Folgeschäden verursachen, denn auch das Löschpulver dringt in alle Ritzen und verursacht deshalb einen hohen Reinigungsaufwand und es wirkt auf Metalle korrosiv. Es gibt auch Stimmen, die nach dem Löschen mit dem Pulverlöscher eine Orientierungslosigkeit nicht ausschließen wollen, falls danach die Luft blickdicht mit dem Pulver angereichert ist.

  • Kohlendioxidlöscher
    decken nur die Brandklasse "B" ab. Man kann damit also nur Flüssigkeitsbrände löschen. Trotzdem sind diese Löscher im Chemielabor beliebt, weil sie keine Rückstände hinterlassen und es beim Umgang mit Chemikalien sowieso meist die brennbaren Lösemittel sind, die in Brand geraten. Dass ihre Wirkung nur auf der Verdrängung des Luftsauerstoffs beruht, hat freilich auch einen Nachteil: Hat der Löschversuch keinen Erfolg, war alles umsonst - es brennt hernach genauso wie vorher. Mit einem Kohlendioxidlöscher müssen Sie also draufhalten, bis das Feuer aus ist. "Draufhalten" bedeutet auch, den Abzughebel voll durchzuziehen! Der Luftsauerstoff muss verdrängt werden - und das vollständig!

    Bei den anderen Löschern wird hingegen das Löschmittel auf dem Brandherd abgesetzt und wirkt dort auch nach dem Ende des Sprühstoßes weiter. Sie können das Sprühen also zwischendurch schadlos unterbrechen, um zu gucken, was jetzt ist. Mit dem Kohlendioxidlöscher wäre das ein fataler Fehler!

    Das Kohlendioxid liegt im Löscher als unter Druck verflüssigtes Gas vor. Beim Ausströmen kühlt es auf seinen Sublimationspunkt von - 78° ab und tritt also als Kohlensäureschnee aus dem Löscher, der sich bei Kontakt mit Luft in einen Nebel umwandelt, weil er die Luft unter ihren Taupunkt abkühlt. Dieser Nebel ist nur noch wenig käter als die Raumtemperatur, weshalb bei korrektem Läschabstand von ca. 1,50 - 2 m (Kleine Löscher eher weniger, große Löscher eher mehr Abstand) auch bei der Löschung brennender Personen keinesfalls mit Erfrierungen zu rechnen ist. Lassen Sie sich von den gottlob nur noch vereinzelt hörbaren Unkenrufen nicht beirren!.

    Kohlendioxid in der Atemluft ist in höheren Konzentrationen giftig. Durch Abblasen eines 2-kg-Handfeuerlöschers werden solche Konzentrationen in einem Schulraum üblicher Größe aber nicht erreicht. Anschließendes Lüften ist aber nicht verkehrt. Das werden Sie aber ohnehin freiwillig tun, denn auch die Brandgase sind gesundheitsschädigend und sie riechen so, dass Sie das Bedürfnis nach frischer Luft haben werden.

Feuerlöscher haben je nach Typ eine Sprühdauer von ca. 6 - 12 Sekunden. Sie finden, das ist zu wenig? Im Gegenteil, das ist eine ganze Menge! Die meisten Entstehungsbrände können Sie mit Sprühstößen von 1 - 2 Sekunden löschen. Bedenken Sie, dass alle Löschertypen in dieser Zeit eine Menge Material auf den Brandherd werfen: Der Kohlendioxid-Handlöscher z.B. 2 kg Kohlendioxid in 6 - 8 Sekunden, der Pulverlöscher 6 kg Löschpulver in 10 - 12 Sekunden. Letzterer entwickelt dabei eine beträchtliche Wurfweite, so dass Sie damit ein Feuer auch aus größerer Distanz bekämpfen können.

Pulverloescher
Pulverlöscher in Aktion: Der Abstand zum Brandherd beträgt etwa 5 m.

In "offiziellen" Informationsbroschüren finden Sie oft Hinweise, die für den Brand im Chemieraum von eher randständiger Bedeutung sind. Beispiele:

In Windrichtung löschen.
Sie bekämpfen in der Regel Brände in geschlossenen Räumen.
Aufsteigende Brände von unten nach oben, herabtropfende Brände von oben nach unten bekämpfen
Der Brand im Chemieraum ist eher die Arbeitsfläche. Es ist ja nicht falsch, sich die genannten Vorgehensweisen einzuprägen, aber wer zum ersten Mal einen Feuerlöscher benutzt, hat vor allem erst mal mit dem effektiven Löschabstand zu tun sowie mit dem Problem, dass das austretende Löschmittel vor allem bei Kohlendioxid-Handfeuerlöschern die Hand etwas verreißen kann, so dass der Löschstrahl erst mal zu weit nach oben geht. Das ist nicht schlimm, weil Sie das augenblicklich korrigieren können - es ist nur ein weiteres beunruhigendes Überraschungsmoment, wenn - ja wenn Sie das vorher nicht schon mal geübt haben (s.o.).

Lassen Sie sich nicht einschüchtern! Jeder kann einen Feuerlöscher bedienen! Sie können das auch - auch wenn Sie es vorher nicht geübt haben. Vielleicht gehen Sie dann ja nicht ganz optimal mit dem Feuerlöscher um. Aber was ist besser: Nicht ganz optimal löschen oder gar nicht löschen? Reagieren Sie im Ernstfall zielstrebig und beherzt!

Es brennt! Was jetzt?

  • Nehmen Sie den Löscher von der Wand!

  • Wenn Sie damit eine weitere Strecke bis zum Brandherd zurücklegen müssen, dann entsichern Sie den Löscher erst am Brandherd! Es hat Fälle gegeben, bei denen die Helfer mit leerem Löscher am Brandherd ankamen, weil sie in ihrem Adrenalinschock nicht bemerkt haben, dass sie auf dem Weg zum Brandherd bereits den Auslösehebel betätigt haben.

  • Gehen Sie nicht zu dicht an den Brandherd heran. Das Feuer wird durch das Löschmittel erstickt und nicht durch das Löschmittel mechanisch ausgeschossen! Blasen Sie das Feuer mit scharfem Strahl an, können brennende Teile nach hinten wegfliegen und dort ungestört weiterbrennen, auch wenn Sie "vorn" erfolgreich gelöscht haben. Wenn Sie den richtigen Löschabstand nicht kennen, beginnen Sie das Löschen bei großen Löschern mit einem Abstand von ca. 3 m, bei kleinen Handfeuerlöschern bei einem Abstand von ca. 2 m. Sie merken dann schon, ob es vielleicht besser ist, noch einen kleinen Schritt nach vorn zu machen.

  • Wenn sie mit dem Löschen keinen Erfolg haben, gibt es folgende Optionen:

    • Verwenden Sie einen anderen Löschertyp

    • Tragen Sie den Löschangriff zusammen mit Helfern mit mehreren Löschern zugleich vor!

    Diese Optionen stehen unter dem Vorbehalt,

    • dass Sie sich das zutrauen,

    • dass das gefahrlos für Sie möglich ist und

    • dass dadurch ein notwendiger Notruf nicht verzögert wird. (Denken Sie daran, dass nicht mehr viel zu retten ist, wenn der Brand die Wirkphase erreicht!)

Es hat gebrannt! Was jetzt?

  • Freuen Sie sich nicht zu früh! Ist der Brandherd schon so heiß, dass für einzelne Bestandteile des Brandgutes die Zündtemperatur überschritten ist, so kann es zu spontanen Rückzündungen kommen. Der Brandherd muss also bis zur vollständigen Abkühlung beaufsichtigt werden!

  • Der benutzte Feuerlöscher darf nicht wieder zurück an die Wandhalterung, sondern muss erst wieder vollständig gefüllt und verplombt werden. Richtig gut wäre es, wenn dazu in Ihrer Einrichtung ein passender Ersatzlöscher vorhanden wäre. Das würde nicht nur helfen, den sicheren Normalzustand schnellstmöglichst wieder herzustellen - und überdies auch Kosten für die sonst fällige Sonderanfahrt des Service-Dienstes einzusparen. Man könnte einen Kohlendioxid-Ersatzlöscher - vorzugsweise am Tag vor der allfälligen Wartung, ja auch mal für eine eigene Löschübung einsetzen.

Es soll gar nicht erst brennen! Was jetzt?

  • Zu den häufigsten Brandursachen in der Schule zählt brennendes Ethanol. Ethanol verbrennt mit einer kaum leuchtenden Flamme, die leicht übersehen wird. Soll Ethanol in einem Versuch entzündet werden, ist das Nachfüllen von Ethanol bei vermeintlich erloschenem Feuer also z.B. sehr gefährlich, und wenn ein Spiritusbrenner bei Betrieb umgestoßen wird, steht die Arbeitsfläche in Flammen!

  • Halten Sie die Brandlasten klein. Brandlasten sind nicht nur Chemikalien, sondern z.B. auch Verpackungsmaterial. Insbesondere verbrennt Styropor mit stark rußender Flamme und vergiftet damit sehr schnell die Atemluft. Halten Sie alle Räume gut aufgeräumt! Krempel sieht nicht nur nicht gut aus, er ist meist auch eine Brandlast.

  • Da Feuerlöscher lebensrettend sein können, sollten Sie sich ein bisschen mit dafür interessieren, dass Sie sich stets in gutem Zustand befinden. Dazu gehört nicht nur die intakte Plombe und das noch nicht abgelaufene Prüfsiegel, sondern auch, dass die Löscher nicht verstellt oder als Kleiderständer missbraucht werden.