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Landesverband

Die hier gegebenen Hinweise sind nach bestem Wissen und Gewissen zusammengetragen. Sie sind hoffentlich eine Hilfe, müssen aber dennoch leider ohne Gewähr für Richtigkeit und Vollständigkeit bleiben. Sie entbinden insbesondere nicht von der eigenverantwortlicher Recherche und Entscheidung hinsichtlich zu treffender Maßnahmen im Umgang mit Gefahrstoffen. Hinweise, Rückmeldungen und Fragen sind willkommen.

Ersatzkleidung

Schon Chemiestudierenden bekommen es in die Wiege gelegt:

Mit Chemikalien kontaminierte Bekleidung ist sofort abzulegen.

Die Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme ist unmittelbar einsichtig. Deshalb wird im Vorfeld über die näheren Umstände eines Ernstfalls leider meist nicht weiter nachgedacht:

  • Welche Kleidungsstücke würden Sie selbst - vor der Klasse stehend - ablegen wollen?
  • Was glauben Sie, welche Kleidungsstücke Ihre Schüler im Ernstfall freiwillig hergeben würden? Stellen Sie sich mal eine Schülerin der 9. Klasse vor, die plötzlich ihren Pulli ausziehen soll. Jungs würden in der gleichen Situation ja schon gern mal ihre Muckis zeigen. Das ändert sich auch bei denen aber schlagartig, wenn nicht der Pulli, sondern die Hose betroffen ist.

Noch gravierender kann das Problem werden, wenn Sie es mit Schülern anderer Kulturkreise zu tun haben. Wenn Sie das Thema in der Klasse problematisieren, kann es sein, dass Sie ein: "Lieber sterbe ich als die Klamotten auszuziehen." hören werden.

Sie sollten sich also schon im Vorfeld mit dem Problem auseinandersetzen und überlegen, was Sie im Ernstfall tun sollten:

  • In so einem Fall muss ja nicht nur die Bekleidung abgelegt werden, sondern betroffene Hautpartien müssen anschließend gespült werden. Sie brauchen also ein großes Ausgussbecken, am besten mit einer Augendusche an einem Schlauch, wobei das Ausgussbecken nicht in Sichtweite der anderen Schüler sein darf!

    Gibt es vielleicht direkt an den Chemieraum angrenzend einen nicht einsehbaren Vorbereitungsraum mit einem Waschbecken? Diskutieren Sie nicht lange herum, sondern schaffen Sie die/den Verletzte(n) sofort dorthin. Auf Wunsch den besten Freund oder die beste Freundin als moralische Hilfe mitzunehmen ist nicht falsch, wenn diese Hilfe sich nicht falsch verhält - also z.B. die kontaminierte Kleidung mit bloßen Händen anfasst. Erst die betroffene Kleidung weg, dann spüen - nicht umgekehrt! Geben Sie klare Anweisungen!

  • Es zu schaffen, dass das Unfallopfer die betroffene Bekleidung auszieht und die betroffene Haut spühlt, ist der halbe Erfolg. Das Opfer hat jetzt aber nichts mehr zum Anziehen, denn die betroffene Bekleidung bleibt auch nach dem Abspülen der Haut kontaminiert und kann nicht wieder angezogen werden. Sie brauchen Ersatzkleidung!

Ihre eigene Ersatzkleidung können Sie sich ja nach Belieben von zu Hause mitbringen. Was ist aber mit den Schülern?

An jeder Schule, an der es Sportunterricht gibt, bleiben Textilien zurück, deren Eigentümer(in) unklar ist. Oft werden die herrenlosen Textilien in regelmäßigen Basaren nochmals dargeboten, damit sich der/die rechtmäßige Besitzer(in) finden möge. Der Rest wird entsorgt. Genau in dem Augenblick, bevor entsorgt wird, sollten Sie zugreifen! Verwenden Sie Kleidungsstücke, bei denen es auf die Passform nicht so genau ankommt, also z.B. Trainingshose mit Gummiband, T-Shirts etc. - vielleicht in zwei Versionen: Dicker für den Winter, wärmer für den Sommer. Haben Sie ein Herz für Ihre Schüler und spendieren Sie den Textilien eine Wäsche in Ihrer häuslichen Waschmaschine. Organisieren Sie dann einen hygienisch einwandfreien Aufbewahrungsort möglichst in der Nähe des nicht einsehbaren Waschbeckens.

Ihre Schüler sollten im Rahmen der halbjährlichen Sicherheitsunterweisungen von Ihren Vorbereitungen Kenntnis erhalten. Im Ernstfall wollen Sie nämlich nicht, dass unnötig viel Zeit mit Erläuterungen vertrödelt wird, dass das mit dem Ausziehen ja gar nicht so schlimm ist und der/die Betroffene das ohne Zuschauer machen kann und nicht etwa in Unterwäsche den weiteren Unterricht fortsetzen muss. Sie brauchen ein bisschen Fingerspitzengefühl bei der Unterweisung. Es liegt in der Natur des Menschen, ungewönliches zu dramatisieren und wenn Sie ein: "Waaaaas? Der Chemieunterricht ist so gefährlich, dass ich mir eventuell sogar die Klamotten ausziehen muss?" hören, dann zeigen Sie auf Augendusche oder Feuerlöscher und machen Sie klar, dass auch diese Dinge für den Fall eines Falles vorgehalten werden, der nur selten eintritt.

Mit dramatischen Kleiderkontaminationen verhält sich das nicht anders. Aber obwohl Sie eine "Kopf-bis-Fuß"-Kleiderausstattung (also inkl. Strümpfe) bevorraten sollten, sind Sie jetzt plötzlich auch für kleinere Probleme gewappnet. Da ist irgendwo ein kleiner Klecks auf dem Ärmel. Früher hätten Sie vielleicht gesagt: "Naja, so schlimm ist das nicht." Jetzt können Sie sagen: "Ach komm! Ich habe ein anderes T-Shirt für Dich! Sicher ist sicher!"

Sie haben hoffentlich Schüler, die die Leihgabe kurzfristig frisch gewaschen wieder zurückgeben.