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Landesverband

Die hier gegebenen Hinweise sind nach bestem Wissen und Gewissen zusammengetragen. Sie sind hoffentlich eine Hilfe, müssen aber dennoch leider ohne Gewähr für Richtigkeit und Vollständigkeit bleiben. Sie entbinden insbesondere nicht von der eigenverantwortlicher Recherche und Entscheidung hinsichtlich zu treffender Maßnahmen im Umgang mit Gefahrstoffen. Hinweise, Rückmeldungen und Fragen sind willkommen.

Maßnahmen gegen elektrostatische Entladungen treffen

Der P-Satz P243 lautet: "Maßnahmen gegen elektrostatische Entladungen treffen!". Was soll man da jetzt machen, wenn Chemikalien so etikettiert sind?

Ursachen elektrostatischer Aufladung

Gewiss ist es Ihnen geläufig, dass es zu elektrostatischen Aufladungen kommt, wenn man z.B. mit Wolle oder noch besser mit Seide einen Glasstab reibt. Jedes Gewitter lehrt, dass sich Materie auch im gasförmigen Zustand elektrostatisch aufladen kann. Bei Flüssigkeiten fehlen Beispiele aus der Lebenserfahrung, aber natürlich können sich auch Flüssigkeiten elektrostatisch aufladen. Gelangt die aufgeladene Materie in die Nähe von Materie mit z.B. Erdpotential, so kann ein Entladungsfunke überspringen. Bei "leicht" oder "extrem" entzündbaren Flüssigkeiten (H224; H225) kann der Funke ausreichen, um die Flüssigkeit zu entzünden. Ein Beispiel für eine derart eingestufte Flüssigkeit ist 1-Chlorbutan.

Die naheliegende Maßnahme gegen die Aufladung einer Flüssigkeit ist es, diese zu erden. Bei entsprechend gefährlichen Flüssigkeiten, z.B. bei Diethylether ist die zu treffende Maßnahme deshalb sogar direkt durch den P-Satz P240: "Behälter und zu befüllende Anlage erden." vorgegeben.

Elektrostatische Aufladungen entstehen durch Bewegung. (Siehe Wolle/Seide und Glasstab) Flüssigkeiten laden sich auf, wenn man sie z.B. rührt, umfüllt oder filtriert. Das ist allerdings genau das, was man beim Experimentieren mit Flüssigkeiten macht! Gibt es also bei labortypischer Arbeit Gefahren bei elektrostatisch aufladbaren Flüssigkeiten?

Um einen respektablen Entladungsfunken erzeugen zu können, bedarf es einer gewissen Masse. Man geht davon aus, dass elektrostatisch aufladbare Flüssigkeiten in isolierenden Behältern (z.B. Glasflasche, Plstikkanister) bis zu einem Behältervolumen von 5 l sicher gehandhabt werden können. Aus diesem Grund haben Benzinreservekanister aus Plastik sowie Plastikkanister zum Sammeln von flüssigen Chemikalienabfällen auch kein größeres Volumen als 5 l. Sie müssen beim Experimentieren also nichts erden und auch sonst keine Msßnahmen ergreifen. Regelgerechtes Experimentieren bedeutet, dass entsprechende Flüssigkeiten automatisch auch nicht gefährlich elektrostatisch aufgeladen werden, indem z.B. Diethylether langsam oder sogar so in Versuchsbehältnisse eingefüllt wird, dass er sanft an der Gefäßwand herunter rinnt. Bei gewerblicher Nutzung größerer Volumina ist hingegen z.B. das Umfüllen in der Tat ein Sicherheitsproblem, weshalb alle involvierten Geräte (Vorratsbehälter, Trichter, Einfüllbehälter, Rohrleitungen etc.) geerdet sowie maximale Bewegungsgeschwindigkeiten der Flüssigkeiten nicht überschritten werden dürfen.

Ganz aus dem Schneider sind Sie noch nicht!

Wenn Sie elektrostatisch aufladbare Bekleidung tragen, sind Sie selbst das Problem! Knistern die frisch gewaschenen Haare, wenn Sie sich einen Pulli überziehen? Tragen Sie diesen Pulli nicht beim Experimentieren! Denn damit sind Sie gerade ein wandelnder Gasanzünder! Auch wenn - insbesondere bei trockener Heizluft im Winter - ein Entladungsfunke überspringt, wenn Sie z.B. eine Türklinke anfassen, haben Sie ein Problem! Experimentieren Sie mit Ihrer Bekleidung! Suspekt sind vor allem Kunstfasern. Beziehen Sie das Schuhwerk mit ein! Das kann nämlich gegenüber dem Boden unterschiedlich ableitfähig sein.