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Landesverband

Die hier gegebenen Hinweise sind nach bestem Wissen und Gewissen zusammengetragen. Sie sind hoffentlich eine Hilfe, müssen aber dennoch leider ohne Gewähr für Richtigkeit und Vollständigkeit bleiben. Sie entbinden insbesondere nicht von der eigenverantwortlicher Recherche und Entscheidung hinsichtlich zu treffender Maßnahmen im Umgang mit Gefahrstoffen. Hinweise, Rückmeldungen und Fragen sind willkommen.

DGUV Information 213-850: Sicheres Arbeiten in Laboratorien

Bedeutung

Die Schrift "Sicheres Arbeiten in Laboratorien" ("Laborrichtlinien") ist ein "MUST HAVE" für das Experimentieren mit Gefahrstoffen. Mitgliedsbetriebe, also auch Schulen erhalten diese Schrift kostenfrei beim zuständigen Unfallversicherungsträger. Sie steht auch online unter "www.laborrichtlinien.de" zur Verfügung. Anders als z.B. in der Gefahrstoffverordnung werden ganz konkrete Hinweise zum labortypischen chemischen Experimentieren gegeben, was schon an den Kapitelüberschriften wie z.B. "Verbindungen und Stopfen" oder "Gasbrenner" deutlich wird. Zum Teil sind die Hinweise sogar mit Bildmaterial untermauert. Sie müssen die Schrift nicht gleich beim ersten Mal von vorn bis hinten durcharbeiten, sondern können sich kreuz und quer den Kapiteln zuwenden, die gerade für Sie von Belang sind.

Leider bleibt für den schulischen Chemieunterricht die Teilhabe am "intrinsischen Maßnahmenkonzept" der Laborrichtlinien verwehrt, welches darin besteht, dass bei Einhaltung der Regelungen der Laborrichtlinien davon ausgegangen werden kann, dass mit Chemikalien, darunter auch giftigen Chemikalien, sicher umgegangen wird, weshalb für ein konkretes Experiment keine Gefährdungsbeurteilung mehr erforderlich ist, bzw. nur noch bei besonders gefährlichen Stoffen, also z.B. mit krebserzeugenden Stoffen erstellt werden muss.

Ein wichtiger Grund ist der, dass "qualifiziertes Personal" eine der Voraussetzungen für die Anwendung des "intrinsischen Maßnahmenkonzept" ist. Das ist bei Schülerinnen und Schülern nicht der Fall - bei den Lehrkräften aber auch nicht immer, z.B. dann nicht, wenn fachfremde Lehrkräfte hilfsweise den Chemieunterricht übernehmen müssen. Ob eine Betriebsanweisung dann aber die fehlende experimetelle Erfahrung ersetzen kann, darf bezweifelt werden. Lehrkräfte haben deshalb auch für die von ihnen selbst durchgeführten Versuche bis auf wenige Bagatellfälle Gefährdungsbeurteilungen zu erstellen. Einer kreativen Experimentierfreude ist das natürlich nicht gerade förderlich.

Ungeachtet dieser Problematik bieten wir einen Entwurf für eine Gefährdungsbeurteilung, mit der Lehrkräfte für die eigenen Tätigkeiten die Konformität mit den Laborrichtlinien dokumentieren können.

Obwohl in der "RiSU" auf alle möglichen Regelungen verwiesen wird, deren Relevanz für die Schule manchmal eher randständiger Natur ist, gibt es in der RiSU keinen Verweis auf die Laborrichtlinien. Dabei haben sie auch ohne Inanspruchnahme des "intrinsischen Maßnahmenkonzepts" eine schulbezogene Relevanz.

Rechtliche Relevanz

Der Umstand, dass es sich um eine "DGUV Information" handelt, verschleiert etwas die tatsächliche rechtliche Relevanz. Die ursprünglich von der damaligen BG Chemie herausgegebenen Schrift hat sich nämlich der Ausschuss für Gefahrstoffe zu eigen gemacht und als TRGS 526 herausgegeben. Dies gilt aber nur für den in den Laborrichtlinien in fett formatierter Text - den sogenannten Regelteil. Die fett formatierten Teile der Laborrichtlinien haben also den Rang einer TRGS und markieren damit einen Stand der Technik für das labortypische Arbeiten, dessen Sicherheitsniveau nicht unterschritten werden darf. Das gilt auch für das labortypische Experimentieren im schulischen Chemieunterricht. Die nicht fett formatierten Textteile sind hingegen informative Ergänzungen, die freilich so wertvoll sind, dass sie lieber die TRGS 526 links liegen lassen und sich ausschließlich den Laborrichtlinien zuwenden sollten. Die ständige Äquivalenz des Regelteils der Laborrichtlinien mit der TRGS 526 ist sichergestellt.

Historie

Wer es versäumt, sich mit aktuellen Rechtslagen auseinanderzusetzen, gerät in Gefahr, aus Unkenntnis Vorschriften zu sammeln und schließlich ein Sammelsurium für rechtlich relevant zu halten. Gerade die Laborrichtlinien haben ein leider recht bewegtes Leben hinter sich. Wenn Sie also Broschüren mit den Titel:

  • ZH 1/119 Richtlinien für Laboratorien
  • GUV 16.17 Richtlinien für Laboratorien
  • GUV 16.17 Regeln für Sicherheit und Gesundheitsschutz für Laboratorien
  • GUV-R 120 GUV-Regel Laboratorien

vorfinden, so fassen Sie sich ein Herz und schmeißen das alles in den Müll, denn es handelt sich dabei ausnahmslos um längst nicht mehr gültige Versionen der Laborrichtlinien.

Immerhin steckt die Begrifflichkeit "Laborrichtlinien" aber noch so in den Köpfen, dass darunter auch heute noch allgemein die DGUV Information 213-850: Sicheres Arbeiten in Laboratorien verstanden wird.