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Landesverband

Die hier gegebenen Hinweise sind nach bestem Wissen und Gewissen zusammengetragen. Sie sind hoffentlich eine Hilfe, müssen aber dennoch leider ohne Gewähr für Richtigkeit und Vollständigkeit bleiben. Sie entbinden insbesondere nicht von der eigenverantwortlicher Recherche und Entscheidung hinsichtlich zu treffender Maßnahmen im Umgang mit Gefahrstoffen. Hinweise, Rückmeldungen und Fragen sind willkommen.

Vereinfachung der Kennzeichnungen von Gefahrstoffen

Worum es geht

In der Regel werden Chemikalien in ihren Originalbehältnissen belassen und aus diesen verbraucht. Da Sie sich auf die korrekte Kennzeichnung durch die Hersteller verlassen dürfen, bedarf es hier keiner weiteren Veranlassung. Anders sieht es aus, wenn Sie Chemikalien in eigene Gebinde umfüllen, z.B. weil Sie für einen Schülerversuch entsprechende Chemikaliensätze zusammenstellen. Unter Umständen dürfen Sie in diesem Fall auf einen vollständige Kennzeichnung verzichten.

Modifizierte vereinfachte Kennzeichnung gemäß RiSU

Nach der TRGS 201 kann bei Laborgefäßen die Angabe der H- und P-Sätze sowie des Warnwortes wegfallen. Selbst bei den Piktogrammen darf man sich auf die wesentlichen beschränken. Zu prüfen ist aber, ob der Gefahrencharakter für den Anwender danach noch erkennbar ist. Erforderlichenfalls sind Kurzhinweise über die Gefahren zu ergänzen. In der RiSU wird diese Kennzeichnungserleichterung für den Schulgebrauch nicht übernommen, sondern in einer Fußnote (!) durch folgende Regelung ersetzt:

  • Wenn die Behältergröße nicht größer als 250 ml ist, kann sich die Kennzeichnung auf Name, Piktogramme, Phrasen, Signalwort und die H-Ziffern beschränken, sofern z.B. durch Aushang die Bedeutung der H-Ziffern recherchiert werden kann.

Sie dürfen also die P-Sätze weglassen und statt ausgeschriebener H-Sätze deren Nummern verwenden. Das ist nur eine ziemlich kleine Vereinfachung, und ohne ein Gefahrstoffverwaltungsprogramm ist das überdies kaum mit vertretbarem Aufwand zu realisieren..

Vereinfachte Kennzeichnung für Kleinmengen gemäß CLP-Verordnung

Gemäß Anhang I (I.5.2) der CLP-Verordnung dürfen unter bestimmten Umständen bei Gebinden von nicht mehr als 125 ml Nennvolumen die H- und P-Sätze weggelassen werden. Da für Schülerinnen und Schüler bestimmte Chemikaliensätze mit hoher Wahrscheinlichkeit aus kleinen Flaschen bestehen und die Kennzeichnungserleichterungen vorwiegend für weniger gefährliche Stoffe gelten, liegt hier vielleicht die Chance, noch einfacher auf Kennzeichnungselemente verzichten zu können. Leider sind die Bedingungen für die Kennzeichnungsvereinfachung sehr kompliziert. Weggelassen werden dürfen die H- und P-Sätze bei:

  • oxidierenden Gasen der Kategorie 1,
  • Gasen unter Druck,
  • entzündbaren Flüssigkeiten der Kategorie 2 oder 3
    Das sind "entzünbare" (H226) und "leicht entzündbare" (H225) Flüssigkeiten.
  • entzündbaren Feststoffen der Kategorie 1 oder 2
    Das sind alle "entzünbaren Feststoffe" (H228)
  • selbstzersetzlichen Stoffen oder Gemischen der Typen C bis F
    Die Kennzeichnung erfolgt mit "Kann bei Erwärmen Brand verursachen" (H242)
  • selbsterhitzungsfähigen Stoffen oder Gemischen der Kategorie 2
    Die Kennzeichnung erfolgt mit "In großen Mengen selbsterhitzungsfähig; kann in Brand geraten." (H252)
  • Stoffe und Gemische, die in Berührung mit Wasser entzündbare Gase der Kategorien 1,2 oder 3 entwickeln
    Die Kennzeichnung erfolgt mit "In Berührung mit Wasser entstehen entzündbare Gase, die sich spontan entzünden können." (H260) oder "In Berührung mit Wasser entstehen entzündbare Gase" (H261)
  • oxidierenden Flüssigkeiten der Kategorie 2 oder 3
    Das sind Flüssigkeiten, die gekennzeichnet sind mit "Kann Brand verstärken; Oxidationsmittel." (H272)
  • oxidierenden Feststoffen der Kategorie 2 oder 3
    Das sind Feststoffe, die ebenfalls gekennzeichnet sind mit "Kann Brand verstärken; Oxidationsmittel." (H272)
  • organischen Peroxiden der Typen C bis F
    Die Kennzeichnung erfolgt mit "Kann bei Erwärmen Brand verursachen" (H242)
  • akuter Toxizität der Kategorie 4, sofern die Stoffe oder Gemische nicht an die breite Öffentlichkeit abgegeben werden.
    Das sind alle "gesundheitsschädlichen Stoffe" (H303, H312, H332)
  • hautreizenden Stoffen der Kategorie 2
    Das sind alle Stoffe, die gekennzeichnet sind mit "Verursacht Hautreizungen" (H315)
  • augenreizenden Stoffen der Kategorie 2
    Das sind alle Stoffe, die gekennzeichnet sind mit "Verursacht schwere Augenreizung" (H319)
  • spezifischer Zielorgantoxizität - einmalige Exposition - der Kategorie 2 und 3, sofern die Stoffe oder Gemische nicht an die breite Öffentlichkeit abgegeben werden.
    Das sind alle Stoffe, die gekennzeichnet sind mit "Kann die Organe schädigen" (H371 - Statt "Organe" kann auch ein konkretes Organ benannt sein, z.B. "Kann die Nieren schädigen") oder "Kann die Atemwege reizen." (H335)
  • spezifischer Zielorgantoxizität - wiederholte Exposition - der Kategorie 2, sofern die Stoffe oder Gemische nicht an die breite Öffentlichkeit abgegeben werden.
    Das sind alle Stoffe, die gekennzeichnet sind mit "Kann die Organe schädigen bei wiederholter Exposition" (H373 - Statt "Organe" kann auch ein konkretes Organ benannt sein, z.B. "Kann die Nieren bei wiederholter Exposition schädigen")
  • akut gewässergefährdenden Stoffen der Kategorie 1
    Die Kennzeichnung erfolgt mit "Sehr giftig für Wasserorganismen" (H400)
  • chronisch gewässergefährdenden Stoffen der Kategorien 1 oder 2
    Die Kennzeichnung erfolgt mit "(Sehr) giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung" (H410, H411)

In Kleingebinden bis maximal 125 ml Nennvolumen dürfen bei entzündbaren Gasen der Kategorie 2, bei auf oder über die Laktation wirksamen reproduktionstoxischen Stoffen sowie bei chronisch gewässergefährdenden Stoffen der Kategorien 3 oder 4 nur die P-Sätze weggelassen werden. Stoffe, die "korrosiv gegenüber Metallen" sind, brauchen in Kleingebinden bis maximal 125 ml Nennvolumen überhaupt nicht gekennzeichnet zu werden.

Zu verstehen ist die Aufstellung so, dass der betreffende Gefahrstoff keine andere, als die in der Auflistung beschriebenen Gefährdungsmerkmale haben darf, wenn von einer Kennzeichnungserleichterung Gebrauch gemacht werden soll.

Empfehlungen

Überlegen Sie es sich gut, ob Sie Ihre Chemikalien nicht besser mit einer Katastersoftware, z.B. DEGINTU verwalten wollen. Ja, es macht Arbeit, alle Ihre Chemikalien in die Software einzuarbeiten. Dann aber nimmt Ihnen die Software vieles ab. Wenn Sie angenommenen 20 Schüler-Chemikaliensätzen je eine weitere Flasche hinzufügen wollen, wählen Sie in der Software die betreffende Chemikalien aus und drucken 20 Etiketten, die automatisch korrekt beschriftet sind. So einfach kann Unterrichtsvorbereitung sein!

Wenn Sie nicht auf eine Software zurückgreifen können oder wollen, überlegen Sie gut, ob der Informationsverlust vertretbar ist. Hinweise lassen sich z.B. auch in den Versuchsskripten geben. Es muss sich dabei keineswegs unbedingt immer um das rapportieren von H- und P-Sätzen handeln. Geben Sie Ihr Erfahrungswissen weiter ("Man kriegt ganz schön braune Finger, wenn man Silbernitratkristalle anfasst.") oder relativieren Sie - wo zutreffend - Gefahren. Eine als "giftig beim Einatmen" zu kennzeichnende Flüssigkeit ist ziemlich harmlos, wenn Sie einen sehr hohen Siedepunkt (also umgekehrt bei Raumtemperatur einen sehr niedrigen Dampfdruck hat). Das liegt daran, dass die Einstufung von Inhalationsgiften auf Atemluftkonzentrationen beruht, hochsiedende Gifte aber bei Raumtemperatur keine nennenswerten Atemluftkonzentrationen erzeugen können. Machen Sie Ihren Schülerinnen und Schülern solche Zusammenhänge klar. Wenn diese verstehen, warum in diesem Fall kaum Gefahr droht, obwohl das Totenkopfpiktogramm auf der Flasche prangt, haben Sie einen wichtigen Beitrag geleistet, dass Warnungen sachgerecht und also nicht je nach Temperament entweder hysterisch ("die ganze Chemie ist gefährlich") oder ignorierend ("Sowieso alles Blödsinn") interpretiert werden.