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Landesverband

Abfälle sind nie in genau reproduzierbarer Weise zusammengsetzt. Ihre Chemikalienabfälle sind in Ihrem Wirkungsbereich entstanden, weshalb sie deren Beschaffenheit am besten kennen und beurteilen können sollten. Die hier gegebenen Hinweise sind zwar nach bestem Wissen und Gewissen zusammengetragen, aber es bleibt in Ihrer Verantwortung zu beurteilen, ob diese Hinweise in Ihrem konkreten Fall sinnvoll und gefahrlos anwendbar sind. Bestehende Entsorgungsregelungen, die Sie mit Entsorgungsbetrieben oder Ihrer Schulverwaltung getroffen haben, haben im Konfliktfall vorrang vor den hier gegebenen Hinweisen! Hinweise, Rückmeldungen und Fragen sind willkommen.

Wir stellen Ihnen hier einige Abfallarten exemplarisch vor und wollen damit Wege aufzeichnen, wie Abfälle korrekt entsorgt werden können. Ob es sinnvoll ist, die nachfolgend beschriebene Abfallart an Ihrer Einrichtung zu bewirtschaften, müssen Sie an Hand Ihres Abfallaufkommens selbst entscheiden.

Bitte beachten Sie die Liste von Chemikalien, die an der Schule nicht (mehr) verwendet werden dürfen!

Entsorgung von Benzylhalogeniden

Benzylchlorid ist krebserzeugend (Kat. 1B). Es darf gemäß der RiSU (I - 3.5.1) an Schulen deshalb nicht verwendet werden. Entsorgen Sie vorhandene Restbestände und verwenden Sie stattdessen Benzylbromid!

Benzylhalogenide können grundsätzlich als organischer halogenierter Lösemittelabfall entsorgt werden. Es gibt folgende Vorbehalte:

  • Benzylchlorid und Benzylbromid sind unterschiedslos stark tränenreizend. Diese Eigenschaft könnte sich auf das Sammelbehältnis für den Lösemittelabfall übertragen, wodurch die weitere Befüllung dieses Gefäßes nicht mehr möglich ist. Ratsam ist es also, dort unbehandelt nur sehr kleine Mengen zu entsorgen.
  • Benzylhalogenide haben ein gewisses Reaktionspotential, weshalb es auch aus diesem Grund nicht ratsam ist, diese in größeren Mengen unbehandelt in den Lösemittelabfall zu entsorgen.

Vorhandene Gebinde entsorgen Sie besser als Einzelchemikalie.

Desaktivierungen sind möglich mit Natriumalkoholatlösung. Die ablaufende Reaktion entspricht der Ethersynthese nach Williamson. Die Reaktion ist allerdings bei Raumtemperatur sehr langsam. Wir empfehlen, die Mischung mindestens eine Woche lang stehenzulassen.

Benylhalogenide lassen sich gut durch Vakuumdestillation aufreinigen. Das kostet allerdings erhebliche Zeit und verlangt u.a. einen sicheren Umgang mit der Schliffapparatur, deren Bauteile beim Abbau alle stark tränenreizend sind.

Benetzte Glasgefäße werden am besten mehrfach mit Lösemittel (z.B. Aceton oder Ethanol) durchgeschüttelt, wobei man jedes Mal zwischendurch im Abzug ausgiebig ablüften lässt. Saugende Materialien kann man durch längeres Einlegen in basische alkoholische Lösung desaktivieren.