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Landesverband

Die hier gegebenen Hinweise sind nach bestem Wissen und Gewissen zusammengetragen. Sie sind hoffentlich eine Hilfe, müssen aber dennoch leider ohne Gewähr für Richtigkeit und Vollständigkeit bleiben. Sie entbinden insbesondere nicht von der eigenverantwortlicher Recherche und Entscheidung hinsichtlich zu treffender Maßnahmen im Umgang mit Gefahrstoffen. Hinweise, Rückmeldungen und Fragen sind willkommen.

Schnittverletzung im Chemieunterricht

Medizinisch unterscheiden sich Schnittverletzungen im Chemieunterricht nicht von Schnittverletzungen außerhalb des Chemieunterrichts. Wie solche Verletzungen zu verbinden sind, erlernen Sie in einem Erste-Hilfe-Kurs und in einfachen Fällen hilft bereits der gesunde Menschenverstand. Einen Unterschied gibt es aber doch:

Personen, die sich im Umfeld von "Chemie" verletzt haben, haben manchmal starke Ängste, dass in der Wunde etwas drinstecken könnte: Eben "Chemie", oder Glassplitter oder irgendwas.

Das ist in der Regel nicht der Fall. Aber wenn es der Fall ist, sind die Zeichen schnell deutlich: Sie sehen etwas herausstehen oder der Bereich der Wunde schwillt an.

Im Chemieunterricht werden es meistens Handverletzungen sein, weil jemand ungeschickt mit Glasgeräten umgegangen ist oder in schon vorhandene Scherben gefasst hat. Schnittwunden können stark bluten. Das kann, muss aber nicht bedeuten, dass die Verletzung schwerwiegend ist. In einem Chemieraum gibt es üblicherweise ein großes Ausgussbecken. Es ist eine gute Idee, das Unfallopfer dorthin zu bringen und es dazu anzuhalten, die verletzte Stelle über das Waschbecken zu halten und das Blut also in das Waschbecken tropfen zu lassen. Freilich muss man dabei dem Reflex Einhalt gebieten, den Wasserhahn aufzudrehen und die Wunde auszuwaschen. Wasser ist tabu, Wasser und Seife erst recht.

Man kann sich selbst und dem Opfer Gewissheit verschaffen, dass nichts mehr in der Wunde steckt, indem man die Wunde über dem Waschbecken zunächst etwas ausbluten lässt. Die Zeit, die es braucht, um das Verbandszeug herbeizuschaffen und dort das passende herauszusuchen, ist dafür in der Regel schon ausreichend.

Von Blutentnahmen wissen Sie, dass Sie nach dem Herausziehen der Kanüle mit einem Zellstoffstückchen auf die Einstichstelle drücken sollen. Nach wenigen Minuten steht daraufhin die Blutung, wobei Sie aber noch länger drücken müssen, damit auch die angestochene Ader Zeit hat, sich wieder zu verschließen und es durch zu frühes Loslassen keinen hässlichen blauen Fleck gibt. Sie können sich den Effekt zunutze machen, indem Sie zunächst das Unfallopfer z.B. mit einem passenden Pflaster auf die Wunde drücken lassen, ohne dass das Pflaster festklebt. (Knicken Sie die Klebeflächen dazu einfach passend um!) Die dazu passende Instruktion lautet:

"Wenn es dabei nicht weh tut, drücke damit mal mit mäßigem Druck auf die Wunde!"

Sollten nämlich doch noch Glassplitter in der Wunde stecken, wäre der Druck schmerzhaft und natürlich darf dann der Splitter nicht weiter in die Wunde hineingedrückt werden. Steckt nichts in der Wunde, reagiert die Wunde auf den Druck ganz im Gegenteil mit völliger oder wenigstens relativer Schmerzfreiheit.

Es kommt darauf an, den Druck etwa 2 Minuten gleichmäßig aufrecht zu erhalten, und dabei möglichst wenige Bewegungen zu machen. Diese umständliche Vorbereitung zahlt sich aus, wenn die Wunde jetzt endgültig verbunden wird:

  • Dadurch, dass die Blutung jetzt steht, gibt es die Chance, den endgültigen Verband hygienisch einwandfrei anzulegen, ohne dass der gleich von Beginn an blutgetränkt ist.
  • Außerdem können Sie die nicht mehr blutende Wunde besser beurteilen und z.B. besser einschätzen, ob sie ärztlich versorgt, also z.B. genäht werden muss oder nicht.

Entscheiden Sie nach den Gepflogenheiten an Ihrer Schule, bei welchen Schnittwunden Sie das Opfer dem Arzt vorstellen wollen und bei welchen nicht!

Sonderfälle

Es steckt sichtbar ein Gegenstand in der Wunde.

Es wird nichts herausgezogen, weil z.B. ein kantiger Glassplitter beim Herausziehen noch einmal tüchtig in der Wunde reißt und weil getroffene Gefäße dann stark bluten können! Sie können die Wunde in diesem Fall nur drum herum steril abdecken. Selbstverständlich muss das Opfer dem Arzt überstellt werden.

Eine Schwellung zeigt an, dass sich Fremdkörper in der Wunde befinden.

"Drücken" ist tabu, es wird nur verbunden. Fixieren Sie zusätzlich das betroffene Körperteil! Gerade in den Händen gibt es unter der Haut viel Bewegungen von Sehnen und Muskeln, die eingedrungene Splitter bei diesen Bewegungen weiträumig bis in den Unterarm hinein verteilen können. Im Falle einer Verletzung an der Hand wickeln Sie dazu die Hand zusammen mit einem geeigneten starren Gegenstand mit einer Mullbinde bis zum Unterarm ein.

Das Opfer erleidet eine Kreislaufschwäche

Es gibt "gestandene Kerle", die "kein Blut sehen können" und bei der kleinsten Verletzung nicht mehr sicher auf den Beinen stehen können.

Die sorgfältige Beobachtung des Unfallopfers ist immer Pflicht!

Nicht mehr sicher stehende Opfer sind aufzufordern, sich hinzusetzen - hilft auch das nicht, sollen Sie sich hinlegen. Es sind dann die üblichen Maßnahmen der Schockprophylaxe durchzuführen, also die Beine leicht angehoben mit entlasteten Kniegelenken (!) zu lagern und für ausreichende Wärme und Flüssigkeitszufuhr zu sorgen.

Ein beruhigendes Reden mit dem Opfer hat einen ganz entscheidenden Einfluss auf dessen gesundheitliche Befindlichkeit, insbesondere auf einen stabilen Kreislauf!