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Landesverband

Die hier gegebenen Hinweise sind nach bestem Wissen und Gewissen zusammengetragen. Sie sind hoffentlich eine Hilfe, müssen aber dennoch leider ohne Gewähr für Richtigkeit und Vollständigkeit bleiben. Sie entbinden insbesondere nicht von der eigenverantwortlicher Recherche und Entscheidung hinsichtlich zu treffender Maßnahmen im Umgang mit Gefahrstoffen. Hinweise, Rückmeldungen und Fragen sind willkommen.

Brennende Personen löschen

Das beste Löschmittel ist das, was Sie als erstes erreichen können! Wenn Sie die Augendusche als erstes zu fassen bekommen und das brennende Unfallopfer damit erreichen können, ist das die beste Option! Wenn Sie aber zwischen mehreren Optionen wählen können, so ist der Feuerlöscher die erste Wahl!

Feuerlöscher

  • Feuerlöscher haben den Vorteil, ortsunabhängig zu sein. Brennende Personen neigen zu Panik und dazu, irgendwo hinzulaufen. Mit dem Löscher können Sie dem Opfer folgen.
  • Feuerlöscher sind zur Brandbekämpfung extrem wirksam.
  • Richtig angewendet erzeugen Feuerlöscher entgegen vereinzelt noch hörbarer Vorurteile keine zusätzlichen Gefährdungen für das Unfallopfer.

Vorbehalte, man würde dem Unfallopfer damit mehr schaden als nützen, sind also unbegründet! Und wenn es heißt, dass Sie dem Umfallopfer nicht ins Gesicht sprühen sollen, so ist das nur bedingt richtig: Sie sprühen bitte nicht unnötig ins Gesicht, aber wenn das Gesicht brennt, dann können sie nicht ersatzweise die Füße löschen! Und wenn Sie aus Versehen (auch) ins Gesicht gesprüht haben, ist das OK! Viel wichtiger ist, dass Sie überhaupt gesprüht haben. Sonst wäre das Unfallopfer nämlich schwerstverletzt oder sogar tot! Es ist wichtig, dass Sie entschlossen und beherzt reagieren!

  • Sie befürchten, dass Sie einer brennenden Person Erfrierungen zufügen könnten, wenn Sie es mit einem Kohlendioxidlöscher besprühen? Wenn Sie den richtigen Löschabstand einhalten, passiert das nicht! Und selbst wenn: Wenn das Opfer irgendwo eine oberflächliche Erfrierung hat und überlebt: Ist das nicht besser, als das Opfer irgendwo hinzuzerren, wo es Wasser gibt, dabei durch den Zeitverlust schlimmere Brandfolgen oder gar den Tod des Opfers in Kauf zu nehmen und sich eventuell sogar selbst dabei zu gefährden?
  • Erstickungsgefahren gibt es ebenfalls nicht. Das Brandopfer wird ja nicht minutenlang, sondern nur einen Augenblick lang angesprüht!
  • Die Sorge, dass Schaum oder Löschpulver auf entstandene Brandwunden gelangt, mag verständlich sein, ist aber ebenfalls unbegründet. Meist brennt die Bekleidung - und wenn es Brandwunden höheren Grades gibt, sind diese sowieso mit verbrannten Textilresten verklebt. Zusätzlicher Schaum oder Löschpulver verschlimmern die Situation nicht - die Brandwunde muss sowieso vom Arzt sorgsam gereinigt werden.

Die Laborrichtlinien empfehlen in Kap. 4.8.4 ausdrücklich Feuerlöscher zur Bekämpfung von Personenbränden, und zwar alle Modelle, die üblicherweise in einer Schule vorkommen, also Schaum-, Pulver- und Kohlendioxidlöscher. Das setzt freilich voraus, dass Sie mit dem Umgang mit den Feuerlöschern gut vertraut sind. Nur dann können Sie in Ernstfall schnell genug agieren!

Notduschen

Notduschen sind ebenfalls gut zur Bekämpfung von Personenbränden geeignet. Schulische Chemieräume müssen allerdings in der Regel nicht mit Notduschen ausgestattet sein. Sofern vorhanden, befinden sie sich meist bei den Türen. Sie haben den Nachteil, ortsfest zu sein. Sie müssen das Opfer also unter die Dusche bugsieren, was wegen der Panik des Opfers ev. nicht leicht ist. Brandopfer haben in ihrer Lebensangst eine eingeschränkte Wahrnehmung. Sie müssen deshalb betont laut und bestimmt mit dem Opfer reden, wenn es etwas tun soll, was das Löschen des Feuers ermöglicht.

Löschdecken

Löschdecken sind nicht mehr zeitgemäß!

Zur Anwendung müssen Sie das Unfallopfer dicht in die Decke einwickeln. Das hat folgende Nachteile:

  • Sie brauchen dazu einen engen Kontakt mit dem Unfallopfer und gefährden sich dabei voraussichtlich selbst.
  • Das ohnehin panisch reagierende Unfallopfer toleriert das Einwickeln wahrscheinlich nicht, sondern läuft weg. Es soll deshalb zu Boden gebracht werden, was Laien zu aberwitzigen Mutmaßungen anregt, wie (brutal) das im Ernstfall wohl zu bewerkstelligen wäre.
  • Üblicherweise befinden sich Löschdecken zusammengefaltet so in Behältern, dass man mit beiden Händen in Taschen hineingreifen kann, die Decke im zusammengefalteten Zustand zum Opfer bringt und die Decke bei Annäherung an das Opfer durch Ausbreiten der Arme entfaltet. Tut man das zu früh und hebt dabei die Arme nicht hoch genug, tritt man mit den Füßen auf die nach unten fallende Decke und blockiert sich damit selbst.
  • Die Decke muss dicht an das Unfallopfer gedrückt werden. Dabei drückt man auch glutheiße Bekleidungsbereiche fest auf die Haut mit der Folge, dass bestehende Hautverbrennungen sich verschlimmern und dass das Unfallopfer sich heftig wehrt.

Auch die Laborrichtlinien raten in Kap. 4.8.4 von Löschdecken ab. Da sie Wartungskosten verursachen, sollten Sie sie ganz entfernen.

Es ist kein Widerspruch, wenn in Erste-Hilfe-Kursen zur Bekämpfung von Personenbränden ganz im Gegenteil Decken empfohlen werden. In Alltagssituationen gibt es nämlich keine Notduschen in der Nähe und ein Feuerlöscher ist in der Regel erst recht unerreichbar. Man muss dann das nehmen, was noch bleibt: Also Decken, Jacken usw. Alle beschriebenen Nachteile sind dann in Kauf zu nehmen! Sie können das Opfer nicht einfach brennen lassen, weil die Jacke nicht das optimale Löschmittel ist! Wenn es aber doch einen Feuerlöscher gibt: Nehmen Sie den - auch im privaten Umfeld!