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Landesverband

Die hier gegebenen Hinweise sind nach bestem Wissen und Gewissen zusammengetragen. Sie sind hoffentlich eine Hilfe, müssen aber dennoch leider ohne Gewähr für Richtigkeit und Vollständigkeit bleiben. Sie entbinden insbesondere nicht von der eigenverantwortlicher Recherche und Entscheidung hinsichtlich zu treffender Maßnahmen im Umgang mit Gefahrstoffen. Hinweise, Rückmeldungen und Fragen sind willkommen.

Hautkontakt mit Chemikalien

Gefärhliche Wirkungen von Chemikalien bei Hautkontakt können sein:

Verätzung
Bei einer Verätung wird Körpergewebe durch die Chemikalie zerstört.
Vergiftung
Es gibt Chemikalien, die leicht durch die Haut in den Körper eindringen und dort gesundheitsschädigende Wirkungen bis hin zum Tod haben können.

Die Vergiftungsgefahr durch die Haut wird oft unterschätzt oder wird gar nicht erst in Betracht gezogen. Denken Sie an eine Hautcreme. Sie zieht auch in die Haut ein - freilich ohne dort schädigende Wirkungen zu entfalten. Ob eine verwendete Chemikalie eine der beiden Wirkungen hat, ist Gegenstand Ihrer im Vorfeld durchzuführenden Gefährdungsbeurteilung. Informationsmöglichkeiten sind:

Einen ersten Hinweis liefert schon das Flaschenetikett.

Gefährliche Chemikalien, die auf die Haut gelangt sind, müssen so schnell wie möglich wieder entfernt werden. Am schnellsten geht das durch Abspülen mit Wasser, bei unverletzter Haut mit Wasser und Seife. Benetzte Kleidung muss vorher entfernt werden, weil die Chemikalie sonst nicht effektiv abgewaschen sondern in dem Textilstück großflächig verteilt wird.

Die letztgenannte Anweisung wird gern von oben nach unten durchdekliniert - und dann wird es dabei belassen. Sie brauchen aber nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass z.B. pubertierende Schüler oder Schülerinnen vor der Klasse lieber sterben als bestimmte Kleidungsstücke abzulegen. Auf diesen Umstand müssen Sie Rücksicht nehmen und Sie sollten gut darauf vorbereitet sein:

  • In Nachbarschaft zu Ihrem Chemieraum gibt es sicher so etwas wie einen Vorbereitungsraum. Wichtig ist, dass es in diesem Raum ein Waschbecken und am besten auch eine Notdusche geben muss, die sich vom Chemieraum aus nicht in Sichtweite befinden. Wenn Sie merken, dass das Unfallopfer die Bekleidung vor der Klasse nicht ablegen wird, bringen Sie es zu dem genannten Waschbecken und veranlassen Sie dort das Nötige. Sie werden sehen: Der durch den Ortswechsel bedingte Zeitverlust wird überkompensiert durch die dann bestehende Bereitschaft des Unfallopfers, die Bekleidung herzugeben. Halten Sie das Waschbecken zu diesem Zweck in einem hygienisch einwandfreien Zustand!
  • Da die benetzte Bekleidung auch nach dem Abspülen nicht wieder angezogen werden kann, sind die Nöte des Unfallopfers noch nicht vorbei! Sorgen Sie also schon im Vorfeld auch noch für Ersatzkleidung! Sie bekommen diese ganz kostenlos, wenn wieder einmal die im Sportunterricht liegengelassenen Sachen in einer großen Auktion ihre rechtmäßigen Besitzer finden sollen. Irgendetwas davon bleibt immer übrig! Bevor dieser Rest in die Verwertung gegeben wird, greifen Sie zu! Nehmen Sie Kleidungsstücke, bei denen die Passform nicht so wichtig ist, z.B. Trainingshosen mit Gummiband. Halten Sie Garnituren in geeigneten Größen bereit - und spendieren Sie den Bekleidungsstücken gleich - und danach regelmäßig eine Wäsche in Ihrer häuslichen Waschmaschine. Sorgen Sie für einen markanten und hygienisch einwandfreien Aufbewahrungsort!

Das Vorhalten von Ersatzkleidung werden Sie selbst alsbald zu schätzen wissen. Es kann ja doch sein, dass auch bei Ihnen beim Experimentieren mal ein kleiner Klecks auf Ihrer Bekleidung landet. Haben Sie solche subtoxischen Belastungen bisher hingenommen, weil Sie sich eingeredet haben: "Das bisschen wird schon nichts machen." so können Sie jetzt ganz souverän zu einem frischen Hemd greifen. Wenn das kein Turnhallenfundstück sein soll, dann vielleicht etwas aus Ihrem eigenen Fundus! Die Ersatzkleidung hilft auch dann, wenn Sie an heißen Sommertagen einen Schutzmantel tragen müssen, weil Sie experimentieren wollen und Ihr Chemieraum zwar schöne große Fenster in südlicher Richtung aber keine Klimaanlage hat.

In Sicherheitsdatenblättern werden manchmal andere Substanzen zum Abspülen der Haut benannt. Recht häufig ist das "Polyethylenglycol 400". Man kann die Dinge wie folgt verallgemeinern:

  • Wasserlösliche Chemikalien lassen sich auch mit Wasser gut abspühlen. Bei nicht wasserlöslichen Chemikalien sind Wasser und Seife (unverletzte Haut vorausgesetzt) schon sehr gut. (Ölige Substanzen waschen Sie auch im Alltagsleben mit Wasser und Seife ab!) Das Polyethylenglycol kann das aber oft noch besser als Wasser und Seife.
  • Wenn sie das Polyethylenglycol bevorraten, steht im Ernstfall "irgendwo" die Flasche. Den Wasserhahn finden Sie in der Regel schneller - und es kann sehr darauf ankommen, dass Sie den Wasserhahn schnell finden! Beginnen Sie also stehts mit Wasser oder Wasser und Seife. Zur Weiterbehandlung können Sie dann auf das Polyethylenglycol umsteigen.
  • Das Polyethylenglycol soll dabei die Rückresorption von Chemikalien ermöglichen, die bereits in die Haut eingedrungen sind. Dazu hilft es nicht, wenn Sie den 50,00 € teuren Liter - blubb-blubb über der Wunde auskippen, denn das Polyethylenglycol soll längere Zeit einwirken können und dabei immer wieder erneuert werden. Nehmen Sie also ein Stück Zellstoff, tränken Sie es mit dem Polyethylenglycol und betupfen damit die betroffene Hautstelle. Lassen Sie ca. 1 Minute einwirken. Spülen Sie mit Wasser ab, trocknen Sie die Hautstelle ab und beginnen Sie den Zyklus von vorn! Behandeln Sie die betroffene Haut ca. 15 Minuten.
  • Kommen Sie nicht auf die Idee, das teure Polyethylenglycol durch billigere Lösemittel ersetzen zu wollen. Es stimmt ja, dass organische Lösemittel wasserunlösliche Stoffe oft gut lösen kösen können. Nur dringen diese Lösemittel selbst in die Haut ein  - und nehmen dabei das Gift in gelöster Form mit! Das Resultat wäre eine Verschlimmbesserung! Polyethylenglycol ist natürlich auch ein Lösemittel - aber ein polymeres! Das Molekül ist viel zu groß als dass es die Haut durchdringen könnte!
  • Wenn sie das Polyethylenglycol bevorraten, sollte das nicht eine "normale Chemikalienflasche" in Ihrer Chemikaliensammlung sein, sondern eine eigens etikettierte ("Zur Hautdekontamination") und an exponierter Stelle bereitgehaltene Flasche. Das Etikett darf gern farblich auffallen, also z.B. das bekannte weissgrüne Erste-Hilfe-Kreuz zeigen.

Weitere Mittel zur Hautdekontamination sind eher Spezialfälle. Sie bringen meist nur Vorteile, wenn mit einem entsprechenden Stoff sehr intensiv, z.B. gewerbsmäßig gearbeitet wird.