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Landesverband

Die hier gegebenen Hinweise sind nach bestem Wissen und Gewissen zusammengetragen. Sie sind hoffentlich eine Hilfe, müssen aber dennoch leider ohne Gewähr für Richtigkeit und Vollständigkeit bleiben. Sie entbinden insbesondere nicht von der eigenverantwortlicher Recherche und Entscheidung hinsichtlich zu treffender Maßnahmen im Umgang mit Gefahrstoffen. Hinweise, Rückmeldungen und Fragen sind willkommen.

Augenverletzung

Mechanische Augenverletzung

Sollte es im Unterricht eine mechanische Augenverletzung geben, so hat nicht nur das Unfallopfer ein Problem sondern auch Sie als Lehrkraft. Denn mit einer Schutzbrille wäre das nicht passiert! Schulbehörde und Unfallkasse werden energisch nachhaken, warum die Schutzbrille nicht getragen wurde - dienstrechliche Konsequenzen nicht ausgeschlossen! Zur Ersten Hilfe wird der Notruf abgesetzt und das Auge abgedeckt.

Chemikalien im Auge

Trotz Schutzbrille kann es vorkommen, dass Chemikalien an der Schutzbrille vorbei ins Auge gelangen, z.B. wenn Chemikalien verspritzt werden und dabei auf die Stirn gelangen und von dort an der Schutzbrille vorbei in die Augen laufen.

Chemikalien im Auge können höllische Schmerzen verursachen! Die Folge kann ein Lidschließreflex sein, der es dem Opfer unmöglich macht, das Auge willentlich zu öffnen. Das Spülen des Auges gelingt dann nicht mit gutem Zureden ("Nun mach' doch mal die Augen auf!") sondern ist ein nicht ganz gewaltfreier Akt, der am besten in Rückenlage des Opfers durchgeführt wird: Ein Helfer gräbt mit beiden Händen die Fingerspitzen oberhalb und unterhalb des Augens in die Haut und zieht das Auge gewaltsam auf, der zweite Helfer spült mit Wasser. Ist ein Auge nicht betroffen, so ist es davor zu schützen, dass es mit gespült wird. (Kopf zur Seite des betroffenen Auges neigen.)

Rechnen Sie mit schmerzbedingten Abwehrbewegungen des Opfers! Das Opfer wird bei der Aktion vollkommen durchnässt werden - und die beiden Helfer auch! Das Auge wird nicht besonders gut aussehen und sich medizinisch auch nicht wieder bis zur normalen Sehkraft wiederherstellen lassen - alles, was Sie in diesem Fall als Ersthelfer tun können ist zu verhindern, dass ein schlimmer Zustand sich zu einem sehr schlimmen Zustand weiterentwickelt!

Das beschriebene Prozedere macht deutlich, dass eine an einem Schlauch angeschlossene Augendusche besser ist, als wenn sie ortsfest an der Mischbatterie mit angebracht ist. Ist die Augendusche ortsfest und das Unfallopfer befindet sich liegend auf dem Boden, dann begießen Sie das Auge aus einem Gefäß mit Wasser, z.B. aus einem Becherglas. Es kommt dabei nicht darauf an, maximale Wassermengen auf das Auge zu schütten sondern vielmehr darauf, dass die Augenoberfläche möglichst kontinuierlich mit sauberem Wasser in Kontakt kommt. Das Spülen wird fortgesetzt, bis die natürlich augenblicklich anzufordernden Rettungskräfte eintreffen.

Nicht jeder Chemikalienkontakt mit dem Auge löst einen Lidschließreflex aus. Vor allem an der Schule dürften die Fälle minderschwer sein, z.B. weil die verwendeten Chemikalien weniger gefährlich sind, weil nur mit kleinen Menge experimentiert wird und deshalb z.B. nur ein Spritzerchen ins Auge gelangt ist und weil die Experimentiertechniken einfach und deshalb weniger unfallträchtig sind. Rechnen Sie trotzdem damit, dass das Unfallopfer einen starken Schmerz verspürt, panisch aufspringt und orientierungslos durch die Gegend läuft. Als Ersthelfer müssen Sie unbedingt sofort die Kontrolle über die Situation bekommen und das Unfallopfer laut und deutlich ansprechen, dass Sie es jetzt anfassen (z.B. Oberarm) und zur Augenspüleinrichtung bringen.

Die vorhandene Augenspüleinrichtung sollte jeder im wahrsten Sinne des Wortes mit geschlossenen Augen finden können! Dies selbst im Vorfeld mal mit geschlossenen Augen zu üben schadet nicht.

Tränenreizende Dämpfe

Ein paar Tropfen verschüttetes Benzylbromid reichen aus, dass allen anwesenden binnen Minuten die Tränen laufen. Nur unwesentlich länger dauert es, bis die Augen sich röten. Es liegt dann eine Bindehautentzündung vor, die sehr dramatisch aussehen kann, aber in der Regel spontan, in schlimmeren Fällen besser mit ärztlicher Unterstützung, meist durch Cortisonaugentropfen wieder folgenlos abheilt. In einem solchen Fall erfolgt die medizinische Behandlung oft besser, weil schneller durch eine niedergelassene Augenarztpraxis. Eine solche Praxis sollten Sie dazu im Vorfeld herausgesucht und auf Ihrem Notfallaushang mit Telefonnummer vermerkt haben, denn Sie müssen vorher dort anrufen und sich vergewissern, dass die Praxis willens und in der Lage ist, das Opfer zu behandeln. Und Sie müssen selbst den Transport zur Praxis übernehmen. Klappt das nicht, bleibt nur der Abtransport in die Erste-Hilfe-Stelle. Bei allen derartigen Augenreizungen müssen Sie das Opfer kontrollieren, ob es keine Spritzer auf Haare Haut oder die Bekleidung abbekommen hat. Ist nämlich die tränenreizende Ursache nicht beseitigt, kann sich der Zustand der Augen nicht bessern! Eventuell ist dazu ein Kleiderwechsel notwendig.